MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Wolfgang Neumann

„Nur die Narren wollen gefallen, der Starke will seine Gedanken gelten machen“ Heinrich Heine

Wolfgang Neumann

Burgstr. 42
06749 Bitterfeld-Wolfen
Fon: 03493 / 88217

Als am 19.01.1945 die Rote Armee die schlesische Grenze überrollt, lautete die NS-Propaganda, der Feind werde zurückgeschlagen. Die Stadt Breslau, Geburtsort von Wolfgang Neumann (16.07.1944) wird zur Festung erklärt. Die Großeltern aus Ebersbach / Sa. sehen das mit Sorge, bitten die Tochter mit dem Enkel zu ihnen nach Ebersbach zu kommen. So verlässt die Mutter mit dem Säugling Wolfgang die Festung mit dem letzten Zug und er wächst in Ebersbach auf. Hier besucht er die Schule, schließt sie 1961 mit der 10.Klasse ab. Archäologe wollte er werden, doch aus pragmatischen Gründen lernte er den Gärtnerberuf. Nach der Ausbildung nahm er 1963 eine Stelle im Elektrochemischen Kombinat Bitterfeld, in der Forschungsabteilung Biologie (Schädlingsbekämpfung und Pflanzenschutz) an. Er qualifizierte sich, wechselte als Laborant von der Biologie in die Chemie und arbeitete in der TKO (Technische Kontrollorganisation). Wolfgang Neumann wähnte sich in einen finsteren Traum, als er in Berlin ein Außenhandelsstudium aufgenommen und wegen der Diskrepanz unvollendet belassen musste, dass er Mao Tse-tung-Fun statt SED-Genosse war. In Folge erhielt er zwar Hinweise auf neue Einsatzmöglichkeiten, jedoch letzten Endes nie eine neue berufliche Chance. Das ihm eigene Gedankengut war unerwünscht, die Arbeitssuche gestaltete sich mit diesem „Begleitmerkmal“ schwer. Er ging zurück nach Bitterfeld, wo sein ehemaliger Leiter der Forschungsgruppe es nicht fertig brachte, ihn abzuweisen. Er gewährte einen Probemonat, den Wolfgang Neumann nutzte, wieder in der TKO, später im anorganischen Zentrallabor, Fuß zu fassen. Als der VIII. Parteitag der SED die Konsumgüterproduktion zur Schwerpunktaufgabe erklärte, wurde auch im Elektrochemischen Kombinat, das sich inzwischen CKB (Chemiekombinat Bitterfeld) nannte, eine Konsumgüterabteilung eröffnet und Wolfgang Neumann fand hier neue Herausforderungen. Er qualifizierte sich zum Chemielaborant – sein 2. Beruf. Es war für ihn eine Frage der Ehre, zu beweisen, dass er etwas kann und so gipfelte seine Arbeit in der Anmeldung mehrerer Patente und u. a. der Auszeichnung mit dem „Banner der Arbeit“. 1990 folgte im Zuge der wendebedingten Strukturänderungen im Kombinat seine Entlassung. In einem kleinen mittelständischem Betrieb – vormals Teil des Kombinates – arbeitete er, bevor er in die Arbeitslosigkeit mit geringfügiger Nebenbeschäftigung gehen musste – immer mit der Hoffnung über diese letztendlich wieder zur Vollbeschäftigung zu kommen. Bis dahin gezeigte Leistungen zählten nicht mehr, es war die Stunde Null und man musste sich wieder völlig neu beweisen, neue Qualifikationen absolvieren. Heute arbeitet er – nach schwerer Krankheit – noch stundenweise in einem Betrieb, der chemische Grundstoffe verarbeitet und veredelt und wird nun, nach über 50 Berufsjahren, in den Ruhestand gehen. „An dem Ort, an dem man eingesetzt wird, das Beste tun“, sagte er, war immer seine Devise. Privat ist ihm das Beste ihm auch über den Beruf begegnet: Die einstige Chemielaborantin Roselotte lernte er im Ledigenwohnheim des Elektrochemischen Kombinates kennen, heiratete sie 1968 und ist gemeinsam mit ihr stolz auf Sohn Daniel, dem heutigen Dipl.-Physiker. Er ist glücklich gesund und kreativ geblieben zu sein, ist dem Land China in alter Liebe verbunden geblieben, auch wenn er diese nur noch über ein Sammelgebiet seiner Briefmarkensammlung auslebt.
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