MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Hildtraut und Horst Nießner
Anknüpfen an die Familientradition
Fleischerei Nießner Franz-Brüning-Str. 8 16227 Eberswalde Fon: 03334 / 32176
Horst Nießner, geboren 1957, hatte eigentlich immer nur einen Traumberuf: Sportler wollte er werden. Dem Sport hatte er sich von Kindesbeinen an verschrieben (Tischtennis BSG Stahl Finow), betrieb ihn bis 1989 eine Verletzung an der weiteren Ausübung hinderte. So war nach der 10. Klasse seine Berufsausbildung auch weniger seinen Ambitionen zuzuschreiben, sondern mehr darauf ausgerichtet etwas zu lernen und dabei weiter sein Hobby umfassend betreiben zu können. Der einem Sportler eigenen Selbstdisziplin und Zielstrebigkeit war es zu verdanken, dass er nicht in der Entwicklung stehen bleiben wollte und somit nach der Schlosserausbildung und einem Jahr Praxisarbeit das Studium für Maschinen- und Anlagenbau aufnahm, es als Ingenieur erfolgreich abschloss. Als solcher arbeitete er im Walzwerk, dem gleichen Betrieb, in dem auch die junge Hildtraut (geb. 1956) als technische Zeichnerin ihre Tätigkeit versah. Beide lernten sich kennen und heirateten 1983.
Das Jahr 1989 war für die Familie Nießner ein Wendejahr über die politischen Ereignisse in der DDR hinaus. Horst Nießner war nicht glücklich im Beruf, der Sport fehlte ihm und er suchte eine neue Herausforderung. Seine Überlegungen gingen in verschiedene Richtungen, wie Gastronomie oder die Einrichtung eines kleinen Ladens. Die Möglichkeit war da, denn dem Vater gehörte ein Objekt, das indessen leer stand. Opa Karl Nießner hatte hier einst nach dem Krieg eine private Fleischerei aufgebaut. Vater Horst erlernte den Beruf, führte mit dem Gründer bis 1956 das Unternehmen gemeinsam, um es dann bis 1960 alleine weiter zu betreiben. Ein Zeitpunkt, zu dem private Unternehmen in der DDR in staatliche gewandelt wurden. Auch die Fleischerei Nießner traf dieses Los, sie wurde in das Fleischkombinat Frankfurt / Oder integriert. Als nun Sohn Horst mit seinen Gedanken zu dem Vater kam, die alten Räumlichkeiten für eine neue Unternehmung zu nutzen, entschied der Vater, dass dann eigentlich nur in Frage käme die Familientradition wieder aufleben zu lassen, die Fleischerei Nießner wieder aufzubauen. Vater Horst übernahm die betriebliche Leitung, obwohl eigentlich schon im Vorruhestand befindlich. Horst und Hildtraut Nießner lösten sich erst nacheinander aus ihrem Arbeitsprozess, um vorübergehend noch die Einnahmen für die Familie sicherzustellen. Ab 1992 war die Fleischerei wieder ein echtes Familienunternehmen, mit Mutter, Vater, Sohn und Schwiegertochter im handwerklichen Gewerbe. Der Fleischermeister-Abschluss 1997 befähigte Horst Nießner die Geschicke der Fleischerei ganz in die eigenen Hände zu nehmen. Hildtraut Nießner als Inhaberin, Horst Nießner als fachlicher Leiter und zwei Verkäuferinnen sorgen nun für das leibliche Wohl der Kunden, unter anderem auch mit dem beliebten Partyservice. Wie es einmal weitergeht mit der aufgelebten Familientradition, lässt sich noch nicht sagen, denn die Kinder Michael, Julia und Florian haben in anderen Berufen ihr Ziel gesehen. Aber wer weiß....