MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Christine Nickel
Streng, aber gerecht!
Oberstudienrätin, Lehrerin i. R.
06618 Naumburg
Mit ihrer Maxime: „Streng, aber gerecht!“ schaffte es die Pädagogin, jeden Schüler das Lernziel erreichen zu lassen. Besonders erinnert sie sich des Literaturunterrichts. Fiel es einem Kind schwer, Gedichte zu lernen, sprachen sie die poetischen Werke auf Band und Leistungsschwächere lernten über Gehör.
Christine Nickel, Lehrerin aus Berufung, erblickte am 30.09.1939 in Altenburg (Saale) das Licht der Welt. Nach dem Abitur verwirklichte sie sich ihren Traum, ging für ein dreijähriges Direktstudium ans Pädagogische Institut Erfurt. Mit der Lehrbefähigung bis Klasse 10 und Sport für die Klassenstufen 5 und 6 begann sie 1960 die Tätigkeit im Kreis Naumburg. War Not am Mann, wurde sie in die Oberstufe berufen und qualifizierte sich später für Sportunterricht bis Klasse 5.
1961 wurde Tochter Kristine, 1963 Sohn Peter geboren. Nach der Geburt ihres Sohnes ging sie sofort an die Schule zurück, um ihre 10. Klasse noch durch die Prüfung zu bringen. Auf Peter passten Schüler und deren Eltern stundenweise auf, bis die Zehntklässler in die Lehre gingen und Frau Nickel zwei Jahre Erziehungsurlaub nahm.
Zurückgekehrt in die Oberstufe, lehrte sie u. a. Biologie, Geografie, Deutsch und Kunsterziehung, doch eine Vertretung der Unterstufe führte in die Klasse ihres Sohnes. Andauernd rief er: „Mutti, ist das richtig?“ Eine Extrawurst wurde nicht gebraten, drollig war es allemal.
Von nun an begann ein nicht zu bremsender Aufstieg. Die Pädagogin wurde stellvertretende Direktorin in Altenburg (Saale). Die Partei lobte sie weg – weibliche Führungskader waren gefragt. Im Sonderstudium legte sie in nur einem Jahr das Diplom ab, wurde Direktorin in Naumburg mit einem Kollektiv voller Teamgeist – die schönste Zeit –, ging zum Rat des Kreises/Abteilung Volksbildung und begann eine neue Ära.
Als Kreisschulinspektorin oblagen ihr Hospitationen bei Fachlehrern und Direktoren, ehemalige Schüler und Lehrer waren plötzlich Kollegen.
Sie avancierte zum stellvertretenden Kreisschulrat und lernte von ihrem Chef, Dr. Engelmann, menschlich und intellektuell vieles. Ihre Kinder profitierten von dem fantastischen Betreuungssystem der DDR, ohne das eine solche Karriere nie möglich gewesen wäre.
Die Arbeit machte bis 1991 viel Freude, Ernennungen zum Oberlehrer, Studienrat und Oberstudienrat bestätigen dies – nur das eigentliche Unterrichten fehlte etwas. Wegen „Überqualifizierung“ erhielt sie dann die Kündigung.
Ihr geliebter Mann Hans Joachim – Dipl.-Ökonom – verstarb im Jahre 2000. Die Familie und viele treue Freunde und Bekannte halfen ihr, wieder optimistisch in die Zukunft zu schauen.