MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Ingrid Neumann

Selbst ist die Frau

Ingrid Neumann

Schleiferin; Kontrolleurin
Colditzer Landstr. 4
04668 Grimma OT Großbothen

Die fröhliche Stimme beim Interview weist Ingrid Neumann als einen lustigen und humorvollen Menschen aus, der sehr gern lacht und dabei sehr direkt und wahrheitsliebend ist. Sie wird am 3. November 1933 in Großbothen geboren. In der häuslichen Kinderschar ist Ingrid Neumann die älteste von vier Mädchen. Als sie zu Ostern 1939 eingeschult wird, gibt es zu Hause eine kleine Schultüte, dann geht sofort die Arbeit weiter. Der Vater ist Fuhrunternehmer, fährt Kohle und Langholz sowie Petroleum aus. Die Kinder helfen ihm beim Be- und Entladen oder schaffen Rechnungen zu den Kunden. Auch die Mutter und ein Onkel packen mit an. Ingrid Neumann besucht acht Jahre die Schule in Großbothen und singt nebenbei im Kirchenchor mit. Nach ihrer Schulentlassung im Jahr 1948 arbeitet sie bei einem Rechtsanwalt als Haushaltshilfe. Später wechselt sie in den Werkzeugbau, arbeitet als Schleiferin und die letzten fünf Jahre als Kontrolleurin. Im Betrieb bekommt sie jeden Tag einen Liter Milch. Während dieser Zeit lernt Ingrid Neumann Ende der fünfziger Jahre beim Tanzen in „Müllers Tanzpalast“ auch ihren Mann kennen, sie heiraten 1963. Schon ihre Eltern haben hier zueinander gefunden. Der Mann ist eine sehr lustige Frohnatur, kann als gebürtiger Ostpreuße aber auch sehr stur und ernst sein. Er arbeitet 20 Jahre in Grimma beim Kraftverkehr und fährt später den Betriebsbus. Im Jahr 1961 wird der Sohn Detlef geboren, dieser erlernt den Beruf eines Betonfacharbeiters und ist heute Rettungssanitäter. Seine 1963 geborene Schwester Ines ist Diätköchin. Im Jahr 1968 folgt Tochter Annett, sie erlernt den Beruf einer Intensivschwester und ist heute im Management tätig. Der 1971 geborene Sohn Steffen ist Zimmermann und Trockenbauer. Ingrid Neumann ist sehr stolz auf ihre vier Kinder und freut sich ganz besonders über die sechs Enkelkinder. Bis 1990 ist sie in der Schleiferei tätig, der Betrieb, die Kita und die Wohnung liegen alle im Ort und sind fußläufig zu erreichen. Im Jahr 2007 stirbt der Mann. Zu seiner Beerdigung nimmt eine große Menge von Menschen teil und würdigt noch einmal sein Engagement. Ingrid Neumann begrüßt zunächst die gesellschaftlichen Umbrüche ab 1989. Doch die Arbeitslosigkeit und andere Verwerfungen wollen ihr überhaupt nicht behagen. Sie geht in den Vorruhestand, dann in die Rente und verdient sich als Reinigungskraft etwas dazu. Seit 1994 unternimmt sie mit guten Bekannten einmal jährlich eine Busreise. Sie strickt und liest sehr gern und bekommt zu jedem Weihnachtsfest von den Kindern Bücher geschenkt. Ingrid Neumann ist sehr gern mit den Kindern und Enkeln zusammen. Sie will noch lange gesund bleiben und viele Busreisen unternehmen.
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