MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Roland Nestler
Vom Auf und Ab des Lebens
Elektromonteur / Berufsschullehrer i. R.
Barbara Hesselbarth
Verkäuferin
04639 Gößnitz
Barbara Hesselbarth und Roland Nestler erzählen in ihrem gemütlichen Heim im thüringischen Gößnitz bei Meerane vom Auf und Ab, das ihr Leben prägte.
Roland Nestler, geboren 1934 in Crottendorf/Erzgebirge, lernte nach Abschluss der 8. Klasse Elektromonteur. Weil er mit elektrischen Drähten und Leitungen umgegangen war und für diesen Beruf Ausbildungsplätze frei waren, ergab sich das so. 1951 folgte Roland Nestler dem Lockruf der Uranbergbaugesellschaft WISMUT. Da er aber noch keine 18 war, durfte er nicht als Elektriker unter Tage arbeiten. Deshalb war er zunächst bei einem Hochspannungsbetrieb tätig, kümmerte sich um Kompressoren, war dann Obermaschinist für Pressluftturbinen. „Einige Zeit später durfte ich endlich in den Schacht einfahren, wurde Pumpenwart, betreute Hoch- und Niederspannungsstationen. Aber nicht nur die WISMUT, auch die Kasernierte Volkspolizei suchte junge Leute. Weil ich nicht dorthin wollte, fing ich bei der Kreisleitung der Freien Deutschen Jugend (FDJ) als Kraftfahrer an. Danach übernahm ich einen Stützpunkt der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) und wurde Fahrlehrer“, berichtet Roland Nestler. Da er nicht viel verdiente, ging er wieder in die Grube, diesmal als Hauer. Er leitete eine Brigade und machte im Abendstudium den Meister. Ab 1961 studierte er Pädagogik und wurde Lehrmeister und Fahrlehrer an der Berufsschule in Gera. 1972 zog es Roland Nestler abermals unter die Erde, wurde Steiger in einem Schacht. 13 Jahre später wagte er etwas Ungewöhnliches: Er machte sich mit einem Betrieb für Federkernbau selbstständig. Ein Polsterobermeister gab ihm Tipps dafür. „Bis zur Wende fertigte ich mit Erfolg Federkerne für Matratzen, Sessel, Sofas. Dann arbeitete ich in einem Unternehmen und wurde 1992 entlassen. Bis 2000 führte ich meinen Betrieb weiter, baute Sitze für die ICE und ging danach in Rente“, sagt Roland Nestler.
Lebensgefährtin Barbara Hesselbarth, Jahrgang 1943, lernte Verkäuferin. Der Vater war auch bei der WISMUT, die Mutter Hausfrau. Nach der Geburt von Maik und Annett blieb Barbara Hesselbarth zehn Jahre zu Hause. Danach verpackte sie Möbel, wurde 1996 arbeitslos und wegen zweier künstlicher Kniegelenke erwerbsunfähig. Ihr Mann verstarb bereits 1988.
Roland Nestler, Vater von Marion, Isa, Jens, Ingo und Kay, züchtet im großen Garten mit viel Hingabe Bienen. Gesundheit ist der größte Wunsch des Paares.