MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Brigitte und Hans-Jürgen Naupert

„Das Leben ist die Suche des Nichts nach dem Etwas.“ (Christian Morgenstern)

Brigitte und Hans-Jürgen Naupert

Dekorateurin, Schauwerbegestalterin
Schornsteinfeger, Berufskraftfahrer
Kirchweg 6
09306 Königshain-Wiederau

Brigitte Naupert erblickte 1951 in Königshain im Wohnzimmer der Eltern das Licht der Welt. Wenn sie aus ihrer Kindheit berichtet klingt das wie aus einer anderen, kleinen, beschaulicheren Welt: Im Wohnzimmer ihrer heutigen Wohnung war der Abschnittsbevollmächtigte der Polizei untergebracht. Ihr jetziges Schlafzimmer beherbergte die kleine Sparkasse des Ortes und im Erdgeschoss befand sich die Gemeindeverwaltung. Die Mutter arbeitete als Schaffnerin im Kraftverkehr. Im schönen alten Bus stand sie mit ihrer Schaffnertasche in der Mark- und Groschen-Münzen in sortierten Röhren Ein- und Ausgabe fanden und kassierte jeden Fahrgast einzeln ab. Als der erste Konsum-Laden im Ort eröffnet wurde arbeitete sie dort. Später in der neu erbauten Kaufhalle. Der Vater arbeitete als Busfahrer. Die Eltern sorgten für eine behütete und glückliche Kindheit von Brigitte und ihrer kleinen Schwester Andrea. Mit Freundin Christine vom benachbarten Bauernhof spielte Brigitte täglich und hatte Umgang mit Tieren. Doch auch zu kleineren Aufgaben wurden die Mädchen herangezogen. In der Erntezeit mussten sie um 15.00 Uhr aufs Feld. Mit Kaffee, Kuchen, Schnitten oder Brötchen zogen sie mit dem Handwagen los um die Arbeiter auf dem Feld zu versorgen. „Auch die Kühe durften wir von der Weide heimtreiben. Damals gab es viele Kinder. Als ich in die Schule kam, waren 31 Schüler in meiner Klasse“ erzählt Brigitte Naupert. 10 Jahre drückte sie die Schulbank. Voraussetzungen für das Abitur waren da, doch sie entschied sich dagegen, wollte ihr zuhause nicht missen müssen. Mit ihren guten Noten und malerischem Geschick konnte sie eine Ausbildung zur Dekorateurin durchlaufen. 1970 begann sie als Facharbeiterin in der Konsumgenossenschaft Mittweida, dekorierte erst die Geschäfte der Stadt, später des ganzen Kreises. Gerne erinnert sie sich an ihren Einsatz zur Vorbereitung der Weltfestspiele1973 in Berlin, denen weitere Sondereinsätze zu großen Ereignissen in der DDR folgten, die immer mit viel Lernen und großen Erlebnissen verbunden waren. Im Magnet-Kaufhaus Mittweida fand sie ab 1975 neue Herausforderung, arbeitete ab 1978 wieder innerhalb der Handelsorganisation (HO) im gesamten Stadtgebiet. „Ab Mitte der 80-er Jahre wurde die Mangelwirtschaft in der DDR deutlich spürbar, geprägt von „bück-dich-Ware“ und zunehmenden Engpässen“, berichtet sie. Nach der politischen Wende in der DDR wurden von 13 Dekorateuren nur zwei „auf Probe“ in die neuen Strukturen übernommen. Die stellvertretende Werbeleiterin Brigitte Naupert war dabei. Doch der Umgang der neuen Vorgesetzten war unannehmbar, dass sie und ihre Kollegin freiwillig ihre Probezeit nicht verlängern ließen. Drei Monate Arbeitslosigkeit war die Konsequenz bis zur 1992 beginnenden Arbeitsaufnahme bei der DIGRO GmbH. 2016 beendete Brigitte Naupert ihre berufliche Laufbahn, trat in den Ruhestand. Den teilt sie seither mit ihrem Mann Hans-Jürgen (geb. 1949, Heirat 1982). Nach der 8. Klasse konnte er sich zwischen einer Lehre zum Papiermacher oder Schornsteinfeger entscheiden. Er wurde „Glücksbringer“ und Schwarm der Mädchen im Umfeld bis er sich in Birgit verliebte und wegen ihr nach Mittweida wechselte. Sie wurde seine erste Ehefrau und aus diese Ehe stammen die Kinder Michaela (1973) und Matthias (1978). Beruflich war in Mittweida keine Stelle als Schornsteinfeger frei und so machte er eine weitere Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Leider verstarb seine erste Frau Birgit an einer unheilbaren Krankheit. Hans-Jürgen wechselte in die Handwerkerbrigade des VEB Kraftverkehr, um die Versorgung der minderjährigen Kinder zu gewährleisten. Eineinhalb Jahre später heiratete er Brigitte, die nicht nur seine Frau, sondern auch ein „Mutterersatz“ für seine Kinder war. Nun konnte er seine Kraftfahrertätigkeit wieder aufnehmen, bis zur Wende. Er wechselte dann in einen Wachschutz. Zwölf Stunden tägliche Arbeitszeit, Samstag, Sonntag und Feiertag Arbeitseinsätze und sechs Mark Stundenlohn waren nicht erquicklich. Die spätere Arbeit bei der Firma Ludwig Meyer Logistik (Kraftfahrer) brachte wieder Freude in die Berufstätigkeit bis die Rente erreicht war. „Wir brauchen, Frieden, Freundlichkeit, Spaß und keine Missgunst. Wenn das alles klappt geht es uns gut“ sagt Brigitte Naupert. Die Nauperts sind harmoniebedürftig und schätzen den Zusammenhalt in der Familie.
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