MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Oberstudienrätin Heimgard Nehring

Schon als Kind spielte sie Lehrerin

Heimgard Nehring

Lehrerin für Russisch und Geografie
Poelchaustraße 10

12681 Berlin

Heimgard Nehring, geborene Balzer, kam 1939, in dem Jahr, als der Krieg ausbrach, in Berlin zur Welt. Mutter und Vater verdienten ihr Geld als Buchhalter. „Meinen ungewöhnlichen Vornamen hatte mein Vater in einem Buch gelesen“, schmunzelt Heimgard Nehring. Gemeinsam mit zwei Geschwistern wuchs sie im elterlichen Haus in Berlin-Biesdorf auf, fand dort während des Krieges Schutz und Geborgenheit. „Der Vater fiel im Krieg, die Mutter starb, als ich 12 Jahre alt war. Dann erzogen uns die Oma und Tante, versorgten uns und hielten Haus und Garten in Ordnung. Ich wurde eingesegnet und besuchte eine Zeit lang den Gottesdienst“, erzählt Heimgard Nehring. „1945, der Krieg war zu Ende, kam ich zur Schule. Eine Zuckertüte bekam ich nicht, dafür eine Schultasche aus Pappe, die meine Oma von einer Buchbinderin basteln ließ. Hefte und Bleistifte gab es auch nicht, stattdessen schrieb ich mit Griffel auf einer Schiefertafel. Ich sang im Schulchor mit, spielte Klavier, bestand die Abiturprüfungen. Da ich schon mit Nachbarskindern Lehrerin gespielt hatte, wollte ich diesen Beruf auch erlernen“, verrät Heimgard Nehring. Deshalb studierte sie an der Berliner Humboldt-Universität Pädagogik in den Fachrichtungen Slawistik und Geografie. Dann fing sie als Lehrerin an der Schule an, an der sie Schülerin war. Kurze Zeit fungierte sie als stellvertretende Direktorin. Sie erstellte Stundenpläne und war einige Jahre für die Jugendweihen zuständig. Außerdem leitete sie einen Russisch-Fachzirkel für Lehrer und unterrichtete mit Kollegen Kinder ab der 3. Klasse mit erweitertem Russischunterricht aus ganz Marzahn in diesem Fach. Auch der Geografie-Unterricht in diesen Klassen wurde in der Fremdsprache erteilt. In Russisch konnten die Schüler bereits in Klasse 10 das Abitur ablegen. Heimgard Nehring absolvierte 1987 in Moskau am Puschkin-Institut selbst eine Weiterbildung. An der Namensgebung der Grundschule in den 70-er Jahren hatte sie auch großen Anteil. Mit ihrer Hilfe erforschten Schüler das Leben Otto Nagels und richteten ein Gedenkzimmer ein. Im Beisein seiner Witwe bekam die Schule den Namen des großen Malers zuerkannt. Da die Bildungsstätte 1991 geschlossen wurde, lehrte Heimgard Nehring wieder ihre Stammfächer, unterrichtete nun an einer Realschule, ging danach in Rente. Seit Jahren hält sich die zweifache Mutter und Oma mit Gartenarbeiten und Yoga fit, liest Belletristik, geht ins Theater, besucht Klassen- und Seminargruppentreffen. Noch lange möchte Heimgard Nehring mit ihrem Ehemann Fred das Leben genießen.
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