MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Margit und Joachim Nerke
Gesellschaftlich aktiv
Gaußstr. 14 06231 Bad Dürrenberg
Joachim Nerke, 1939 in Schlesien geboren, erlebte Flucht und Vertreibung, bevor er 1946 eingeschult wurde. Während der achtklassigen Schulzeit hatte er noch keine Vorstellung, welchen Beruf er einmal ergreifen würde. Die Zeit war nicht für Wünsche, man richtete sich nach den Angeboten. So lernte er Maschinenschlosser, sattelte zum BMSR-Mechaniker um, bevor er sich entschloss – um der Einberufung zum Wehrdienst zu entgehen und weil er etwas beginnen wollte, was Bestand haben würde – dem Ruf nach Neulehrern zu folgen. Auf der Abendschule hatte er zuvor die 10. Klasse beendet, im Rahmen der Erwachsenenqualifizierung sein Abitur erlangt. 1963–1967 studierte er an der Pädagogischen Hochschule in Halle, beendete dieses Studium als Lehrer für Mathematik und Physik. Sein Sehnen nach Bestand erfüllte sich. Unmittelbar nach Ende des Studiums an der Karl-Liebknecht-Schule in Bad Dürrenberg zum Lehrkörper gehörend, arbeitete er hier bis er kurz vor der Wende. Auf Grund seiner kritischen Einstellung und damit einhergehenden Handlungen wurde er im Sommer 1989 an eine Betriebsakademie nach Merseburg versetzt. Gesellschaftlich engagierte er sich seit 1965 als Stadtverordneter. Doch weder dieses Engagement, noch sein fachliches Können bewirkten Aufstiegschancen für den Parteiangehörigen einer Blockpartei. Erst nach der Wende als Mitglied des Kreistages und erster Kreistagspräsident, wurde ihm das Vertrauen gegeben. Zum Schulrat gewählt fand er sich als Neuanfänger mit 25 Jahren Berufserfahrung und -tätigkeit (!) wieder – eine Kurriosität, wie sie nur in der Wendezeit erlebbar war. Eine spannende und schöne Zeit überhaupt, wie er rückblickend findet. Doch leider nicht mit allen darin liegenden Chancen genutzt. Im Jahr 2000 schied er aus dem aktiven Berufsleben aus, widmete sich seinen ehrenamtlichen Tätigkeiten. Noch heute ist er als Stadtrat aktiv sowie als Landesvorsitzender der Paneuropa-Union Deutschland und als Landesvorsitzender und Mitglied der Bundesversammlung der Sudetendeutschen. Eine Aufgabe, die seine Frau ihm nahe legte, denn sie wurde 1939 im Sudetenland geboren und vertritt heute die Interessen der Sudetendeutschen als Kreisvorsitzende des Verbandes. Darüber hinaus engagiert sie sich noch in der Frauenunion. Gesellschaftliche Arbeit war für Margit Nerke immer ein „Muss“, da sie ihren Beruf (Stenotypistin, Büroleiterin, Mitarbeiterin Patentabteilung) aufgegeben hatte, um für nahe stehende Verwandte Pflegeaufgaben zu übernehmen. Die Eheleute Nerke konnten 2011 die Goldene Hochzeit feiern, haben zwei Söhne und vier Enkel, auf die sie besonders stolz sind. Und wenn man erlebt, wie zugetan sich beide sind und wie klar sie ihre gemeinsamen Ziele definieren, ahnt man, dass ihr Wunsch nach einem gemeinsamen, gesunden Altern in Erfüllung gehen wird.