MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Wolfgang Beyer
„Wir leben in einer Welt der Massenverblödung.“ (Journalist Scholl-Latour)
Dipl.-Bauingenieur
Alte Dorfstr. 29
04651 Bad Lausick OT Ballendorf
Die Geburt von Wolfgang Beyer im Jahr 1938 in Dresden, war für seinen Vater Anlass Mitglied der NSDAP zu werden. Der Grund waren dabei nicht seine politischen Ansichten, sondern schlicht und einfach, dass der junge Vater nun dringend Arbeit brauchte um seine kleine Familie versorgen zu können. Der Studienreferendar und Arbeitslose wurde nun verbeamtet und am Staatsgymnasium Lehrer. Die Mutter kümmerte sich als Hausfrau um Wolfgang und seine späteren zwei Geschwister. Die letzten Kriegsjahre verbrachte Wolfgang Beyer in Falkenstein bei der Großmutter – abseits der Bombardements auf Dresden, doch stattdessen mit dem Erleben eines Bombeneinschlags auf dem eigenen Hof. „Uns kamen die Fenster entgegengeflogen, einem kleinen, auf dem Hof spielenden, Mädchen wurde ein Arm abgerissen...“ berichtet er davon. Nach Kriegsende erfolgte die Rückkehr nach Dresden wo die Familie ihre Wohnung mit Flüchtlingen besetzt vorfand und zudem die Zeit des Hungerns begann. 1944–1952 besuchte Wolfgang Beyer die Schule in Falkenstein und Dresden, danach vier weitere Jahre die Oberschule in Leipzig. Er schloss mit dem Abitur ab und sann über seine Entwicklung nach. Sein Vater sagte: „Du kannst alles werden, nur nicht Lehrer....“ Er selbst hatte keine guten Erfahrungen gemacht, war nach dem Krieg wegen seiner früheren Parteizugehörigkeit nicht mehr als Lehrer beschäftigt worden und arbeitete fortan auf dem Bau. Eine solche System-Abhängigkeit sollte der Sohn nicht erfahren. Der studierte also Bauwesen in Leipzig, beendete diese Ausbildung als Dipl.-Bauingenieur. „Auf dem Bau direkt habe ich nie gearbeitet, war mit Entwicklung und Konstruktion im Schwermaschinenbau beschäftigt. Den Betrieb wechselte er während seiner gesamten Arbeitsjahre nicht. Allerdings erlebte er viel Wandel mit. Strukturen wurden verändert, es wurde umfirmiert, erfolgten Produktionsverlagerungen und dann kam die politische Wende in der DDR. „Wir konnten aus dem Bürofenster auf das Betriebsgelände der Kampfgruppen gucken, haben gesehen wie dort mobilisiert wurde.... keiner konnte einschätzen was kommt....“ berichtet er davon. Das Kombinat TAKRAF Leipzig wurde aufgelöst, von der ursprünglichen 3000–4000 Menschen umfassenden Belegschaft blieben nur 30–40 in einem Rumpfbereich tätig. Wolfgang Beyer wurde übernommen. Mit 64 Jahren wurde er in den Ruhestand geschickt. An die Zeit der „Besser-Wessis“ kann er sich noch sehr gut erinnern und war nicht unzufrieden als die Berufstätigkeit endete. Wobei die letzten Arbeitsjahre andererseits auch zu seinen interessantesten gehörten. Viele davon hat er in den USA gearbeitet. Er ist stolz darauf die Entwicklung von Wissenschaft und Technik in der DDR und darüber hinaus mit begleitet zu haben. In dem mehrere hundert Jahre alten Haus der Schwiegereltern lebt er heute allein. Seine Frau Ursel (Krankenschwester), mit der er seit 1968 verheiratet war, ist im Jahr 2016 verstorben. Nun muss er den riesigen Garten, Haus und Grundstück alleine in Ordnung halten – eine Aufgabe die ihn täglich fordert und beschäftigt. Das lenkt ihn auch ein wenig über die täglich nervende Berichterstattung der Medien ab. „Am deutschen Wesen muss die Welt genesen...“ sagt er kopfschüttelnd zu dieser „Verblödungsstrategie“ – wie er es nennt. Ein langes, selbstbestimmtes Leben wünscht er sich noch.