MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Inge und Gustav Bieske
Alles zu Ende bringen und für andere Menschen da sein
Hallesche Str. 21 a
04838 Eilenburg
Fon: 03423 / 601137
Die Eheleute Inge und Gustav Bieske lernen sich einst über die Freie Deutsche Jugend (FDJ) kennen und heiraten 1959. 1969 kommt der Sohn Holger zur Welt. Dieser betreibt heute als selbstständiger Unternehmer einen Baugeräteservice. Inzwischen gehören vier Enkelkinder zur Familie. Die Eheleute Bieske fühlen sich sehr wohl im Kreise ihrer Familie und sind stolz auf sie.
Die im Jahr 1936 geborene gelernte Hutmacherin muss während ihrer Ausbildung Hüte tragen, um für ihr Unternehmen zu werben. Ab dem Januar 1954 arbeitet sie als Erziehungshelferin im „Ernst-Thälmann-Heim“, ein Fernstudium finanziert sie selbst, ihr Mann arbeitet in dieser Zeit ebenfalls im Heim. Sie selbst ist 36 Jahre hier tätig und geht mit 55 Jahren in den Vorruhestand, sie kann unter anderem nicht akzeptieren, dass nach 1990 ältere und erfahrene Kolleginnen wie Anfänger bezahlt werden sollen. Die Qualität der Heime in der DDR schätzt sie als sehr unterschiedlich ein und empfindet die negativen Pauschalisierungen als ungerecht. Als aktive Wintersportlerin ist Inge Bieske im Kreismaßstab recht erfolgreich, vor zwei Jahren hat sie aus Altersgründen den Sport aufgegeben.
Die Eltern von Gustav Bieske sind selbstständige Fleischer, der Sohn wird ohne gefragt zu werden am 20. April 1944 als „Geschenke an Adolf Hitler“ in das Jungvolk, den „Pimpfen“ eingegliedert. Ein Jahr später wird die Familie aus ihrer Heimat vertrieben. Der ältere Bruder wird zu dieser Zeit schon in Rumänien vermisst, der Vater kehrt nach sechs Jahren aus polnischer Gefangenschaft 1952 heim. Die Mutter führt bis Januar 1945 die Fleischerei in Meseritz alleine weiter, dann erfolgt die Flucht vor der „Roten Armee“ aus dem Heimatort. Sie endet in Eilenburg. Die Familie findet eine Bleibe, eine Tante wohnt hier. Im April 1945 wird Eilenburg fast vollständig zerstört. Gustav Bieske muss früh zum Lebensunterhalt der Familie beitragen und schließt im August 1952 eine Tischlerlehre ab. Den in dieser Zeit massiven Werbungen der Kasernierten Volkspolizei (KVP) widersetzt er sich. Der junge Geselle arbeitet in drei Schichten, arbeitet bei der Wismut AG unter Tage und wird hier „Zimmerling“. Er träumt davon, einmal Innenarchitekt zu werden, erhält auf seine Bewerbungen jedoch nur Absagen. Er verlässt den Betrieb, erlernt den Fleischerberuf bei seinem Vater, der nach seiner Heimkehr in Eilenburg wieder eine Fleischerei eröffnete und erteilt nebenbei Werkunterricht an einer Schule. Gustav Bieske schließt ein Fernstudium als Lehrer ab und bleibt der Volksbildung treu. Außerdem ist er ein begeisterter Hobbysportler bei der SG Traktor Eilenburg. Mit den Kinder des Vereins baut er von 1956–1958 die Sprungschanze auf, sie produzieren die Matten selbst und belegen die Schanze damit. Außerdem übt Gustav Bieske als Sportfunktionär alle möglichen Funktionen aus. Als ihn nach seiner Erkrankung an Diabetes keiner unterstützen will, gibt er sämtliche Funktionen ab.