MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Dipl.-Ing. Klaus Binder

Noch ein wenig auf dieser Welt wandeln

Klaus Binder

Rentner
Kienbergstr. 47

12685 Berlin

Der achtzigjährige Klaus Binder ist beinah noch ein Frischling in Berlin, zog er doch erst nach seiner Berentung in die Hauptstadt, da hier seine Kinder leben. Er mag die abwechslungsreiche, brodelnde Stadt. Hier möchte er gern noch ein wenig leben. Geboren wurde Herr Binder im April 1934 in Venenien (heute Merseburg). Seine Kindheit war von Bomben begleitet. Früh lernte Klaus das Glasern, denn die Fenster der elterlichen Wohnung waren insgesamt sieben Mal zerstört. Das Dach ebenso. Klaus Binder war nach einem Bombenangriff verschüttet. Bei der Einnebelung der „Leuna“- Werke bekam er eine schwere Vergiftung. Noch heute denkt Klaus Binder mit Abscheu an diese Zeit zurück. Eine gute Erinnerung an diese schweren Jahre ist nur die Zuckertüte, die der Junge 1940 bei seiner Einschulung erhielt. 1948, nach acht Jahren, war die Schule beendet. Viele Berufe spukten dem jungen Mann im Kopf herum. Durch Gespräche mit seinen Eltern (die Mutter war Hausfrau, der Vater Schlosser) und die Nähe zu den „Leuna“ – Werken entschloss sich Klaus Binder zu einer Lehre als Chemiefacharbeiter. Nach deren Abschluss (1951) arbeitete er zwei Jahre im Beruf und holte in sechs Monaten die Fachschulreife nach. Von seinem Betrieb wurde der Facharbeiter zum Chemiestudium an die Fachschule Köthen delegiert. Nach drei Jahren hatte Herr Binder seinen Abschluss als Ingenieur-Chemiker. Dem Direktstudium folgte die Arbeit im Chemie-Kombinat Bitterfeld. Gleichzeitig begann der strebsame Binder ein Fernstudium, um seinen Diplom-Ingenieur abzulegen. 1964 hatte er die Studien beendet. Seine erste große Aufgabe war die Mechanisierung des Alu-Hüttenbetriebes. Klaus Binder war für 60 Mitarbeiter verantwortlich. Eine noch größere Herausforderung folgte mit der Übernahme der Rationalisierung der Produktion. Arbeitsprozesse wurden vereinfacht, Teile der Produktion automatisiert. 1980 wurde Klaus Binder in die Produktionsdirektion für technische Probleme berufen. Seine Karriere endete als Produktionsdirektor und Oberingenieur. Die letzten sieben Berufsjahre vor der Rente war Klaus Binder als Unternehmensberater im Werkschutz und im Bereich der Feuerwehren tätig. Der leidenschaftliche Briefmarken-Sammler hatte 2013 sein 60 jähriges Gewerkschaftsjubiläum. Heute beschäftigt er sich auch mit dem PC, produziert Videofilme für die Familie. Gern würde er die eigenen Krankheiten heilen, um noch einige Lebensjahre auf der Erde zu bleiben.
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