MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Christel und Walter Beutelrock
Der Mann der nicht gern redet, die Frau die nicht gern schweigt
Schmiedeberger Str. 11
06772 Gräfenhainichen OT Tornau
Fon: 034243 / 25484
Sein Beruf ist ausgestorben, berichtet wehmütig Walter Beutelrock. Mit der Mutter 1946 als Sudetendeutscher in Krostitz angekommen, lernte er nach der Schule den Beruf eines Holzfällers beim Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb Dübener Heide und erinnert sich: „Die Prüfung damals habe ich noch mit der Schrotsäge gemacht, später kam dann die Einmannsäge und am Schluss wurde nur noch mit der Motorsäge gearbeitet. Heute wird der Harvester eingesetzt. Dieser erledigt die Fällung und Entastung maschinell.“ Er selbst hat noch an Motorsägenausscheiden teilgenommen, erste Plätze im Wettkampf belegt. 45 Jahre war er Holzfäller, Arbeitsgruppenleiter und Brigadier, erlebte nach der Wende den Wandel des Betriebes in das Forstamt Tornau. Mit 62 Jahren ging er in die Altersteilzeit. Ein schwerer Schritt, den er mit der Anschaffung eines privaten kleinen Sägewerkes und Herstellung und Aufbau eines Carportes zeitlich überbrückte. Lange Reihen Holz findet man in der Nähe der Wohnung von Familie Beutelrock. Vorgesehen zum Betreiben der Holzheizung und aufbereitet vom Fachmann – als Mittel zum jung bleiben, meint er. Geblieben ist ihm aus seiner „Holzfäller-Zeit“ aber mehr als die erworbenen Fähig- und Fertigkeiten und die Erinnerung an einen schönen Beruf: Seine Frau Christel, die er im Betrieb kennenlernte und mit der er seit 1967 verheiratet ist. Ihr Vater – ein Jäger – hatte ihr bereits die Liebe zum Wald vermittelt. Nach Abschluss der 10. Klasse absolvierte sie eine Lehre zum Forstfacharbeiter (1965–1967), blieb gleich in der Lehreinrichtung als Lehrmeisterin und bildete nun selbst Lehrlinge aus. Das theoretische Rüstzeug holte sie sich 1972–1976 mit einem Fernstudium zum Forstingenieur. Mit der Wende und der Umwandlung des Staatlichen Forstbetriebes wurden auch Strukturen geändert. Die Zukunft der Berufsschule war unklar, die Lehrgänge daher nicht mehr so ausgelastet. So wurde Christel Beutelrock kurzerhand im Internat als Erzieherin eingesetzt, froh überhaupt weiter beschäftigt zu sein. Doch schnell änderten die Vorgesetzten ihre Meinung und befanden, eine Försterin nicht mehr qualifiziert genug als Erzieherin zu arbeiten. Christel Beutelrock war jedoch bereit sich den neuen Anforderungen zu stellen, studierte erneut drei Jahre und erlangte den Abschluss als Staatlich anerkannter Erzieher. Ein Jahr lang arbeitete sie als solcher in den verschiedensten Internaten im Landkreis, erlebte die Schließungen und Privatisierungen vieler mit. Der Käufer ihrer letzten Arbeitsstelle übernahm sie das vertraglich vereinbarte Pflichtjahr, kündigte jedoch sofort an, sich danach Kräfte über das Arbeitsamt vermitteln zu lassen. Entsprechend wurde sie fristgemäß gekündigt, erlebte Arbeitslosigkeit und ABM, bevor sie selbst als Betreuerin für ABM-Kräfte und 1 €-Kräfte im Wald und grünen Bereich eingesetzt wurde. 10 Jahre war sie dabei, doch das Unternehmen ging in die Insolvenz und sie stand wieder vor der Frage: Was nun? Da es mit ihrer Hilfe gelungen war den Wittenberger Naturgarten zu einem Kleinod zu machen, stellte die Stadt sie zur Weiterführung des Projektes ein. Die Arbeit erfüllt sie, macht ihr Freude und sichert ihr Auskommen. Entspannung findet sie in ihrem Garten. Ihr Mann ist nicht der große Redner, er packt lieber an und Holzhacken ist nach wie vor seine Leidenschaft. Die Eheleute freuen sich, dass die Mutter von Frau Beutelrock noch mit 88 Jahren im Haus und Garten arbeitet und die Familie tatkräftig unterstützt. Glücklich sind sie darüber, dass die Kinder Jörg und Antje und die drei Enkel in der Nähe wohnen, so ist enger Kontakt möglich. Da bleibt eigentlich nur ein Wunsch: Gesund alt zu werden.