MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Erna Beymel
Ein Leben für die Patienten
Rentnerin
Auerbacher Ring 35
12619 Berlin
1941 wurde sie in Warschau geboren, wuchs erst in Mügeln, dann ab dem 8. Lebensjahr bei Pflegeeltern in Weimar auf. Der Pflegevater war Arzt und die Praxis einschließlich Hausbesuche prägte ihre Kindheit. Neben dem Schulbesuch (Abitur 1960) gehörte das Weimarer Kulturleben zu den bleibenden Eindrücken. Sie begann Klavier zu spielen und Ballettunterricht zu nehmen und sang im Schulchor, zweitweise auch im Opernchor, übte sich im Turniertanz. In der nahen Hochschule für Architektur gab es Kurse im architektonischen Zeichnen.
Die Kultur blieb Teil ihres Lebens, aber im beruflichen Werdegang entschied sie sich für die Medizin. An der Medizinischen Akademie in Magdeburg studierte sie 1960/66. Nach dem Abschluss und einem Jahr Pflichtassistenz erhielt sie die Approbation als Ärztin. Ihre Facharztausbildung führte sie vier Jahre in die Chirurgie, aber nach der Geburt des zweiten Kindes entschied sie sich für den Wechsel in die Allgemeinmedizin. Mit bestandener Prüfung konnte sie, gemeinsam mit ihrem ersten Mann mehrmals versetzt, in verschiedenen Städten und Gemeinden tätig werden, auch schon junge Mediziner bei der Ausbildung zum Landarzt betreuen. Mit ihrem zweiten Mann kam sie nach Wanzleben, blieb bis 1989 als Landärztin tätig. Dann kam der Wechsel nach Berlin, wo sie im Neubaugebiet Berlin-Hellersdorf als erste Hausärztin ein reiches Betätigungsfeld fand, besonders bei den vielen dort wohnenden jungen Familien. Viele der Kinder, die sie bei den ersten Wehwehchen betreute, blieben über Jahre ihre Patienten. Erna Beymel wohnte in dem Haus, in dem die Praxis war, und konnte sich 1990 in eigener Niederlassung selbständig machen. Sie hatte sich noch zu DDR-Zeiten im Bereich Diabetes weitergebildet und für betriebsärztliche Tätigkeit qualifiziert. Sie übernahm Einrichtung und Personal und konnte mit einer niedergelassenen Diabetologin eine Kooperation aufbauen, so dass sie einen großen Teil der betroffenen Patienten in Absprache selbst wohnortnah betreuen konnte.
Im Jahr 2004 beendete Erna Beymel ihre berufliche Tätigkeit. Sie hat mit Yoga begonnen und ihr Klavierspiel verbessern können. Sie geht auch wieder zum Singen und besucht eine Töpferwerkstatt, freut sich an dem, was unter ihren Händen entsteht. Außerdem arbeitet sie an der Aufbereitung ihrer spannenden Familiengeschichte, zu der inzwischen drei Kinder und drei Enkel gehören.