MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Karl und Irene Beuthner
Er wechselte den Beruf, um dem Sohn zu helfen
Lehrer / Sprachlogopäde / Rentner
Version:1.0 StartHTML:0000000167 EndHTML:0000000637 StartFragment:0000000454 EndFragment:0000000621 Belziger Ring 32 12689 Berlin
Weil Vater Beuthner bei den Forstämtern in Chemnitz und dann in Dresden tätig war, interessierte sich für dessen Arbeit auch Sohn Karl, der 1930 geboren wurde. Kein Wunder also, dass er Jahre später ebenfalls den Beruf des Waldarbeiters erlernte. Beim Bombenangriff auf Dresden im Februar 1945, kurz vor Kriegsende, fiel auch das Haus, in dem die Beuthners wohnten, in Schutt und Asche. „Ich war danach als Gehilfe in einer Rosengärtnerei und im Büro eines Rechtsanwaltes beschäftigt“, erinnert sich Karl Beuthner. Doch das reichte ihm nicht; er wollte mehr. Schließlich absolvierte er eine einjährige Ausbildung zum Neulehrer, unterrichtete in den Unterstufenklassen mehrerer Schulen. Da Sohn Peter Sprachschwierigkeiten hatte, befasste sich Karl Beuthner in einem Praktikum mit der Heilpädagogik, machte den Abschluss und arbeitete danach am Institut für Sonderschulpädagogik. Nach einem Studium an der Berliner Humboldt-Universität bestand der gebürtige Chemnitzer 1960 das Staatsexamen als Stimm- und Sprachlogopäde. Karl Beuthner arbeitete an Forschungsaufträgen mit, entwickelte Konzepte für die ambulante Behandlung von Stimm- und Sprachstörungen, bildete Studenten aus. In jedem Kreis der DDR gab es mindestens einen Pädagogen für die Sprachheilung. „Ich hatte auch vor zu promovieren. Weil ständig Änderungen an meiner Doktorarbeit vorgenommen wurden, gab ich auf. Wegen gesundheitlicher Probleme ging ich danach zu einer Berliner Sprachheilschule, konnte dann den Beruf nicht mehr ausüben“, erzählt Karl Beuthner. Als Fünfzigjähriger absolvierte er nochmals eine Lehre, diesmal bei der Post, saß im Marzahner Jugendpostamt am Schalter. Über mangelnden Respekt vor den Leistungen der ehemaligen DDR-Bürger nach der Wende ärgert sich Karl Beuthner.
Bei der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) ging er in die Luft, war Segelflieger. Zu Hause zauberte er aus einer großen Platte eine Modelleisenbahnanlage, bastelte Häuser und Landschaften selbst. Darüber hinaus sammelte er Modellautos, fotografierte und filmte Vieles. Ehefrau Irene, die er sein Juwel nennt, hat ein Faible für Porzellanpuppen; ungefähr einhundert besitzt sie inzwischen. Außerdem malt sie gern Ölbilder und klöppelt noch heute.
Am liebsten feiern Irene und Karl Beuthner Feste mit der ganzen Familie. Dazu gehören Ursula und Birgit, Martin, Peter und Reiner, sieben Enkelkinder und drei Urenkel.