MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Christa Mönchgesang
Die Eiserne Hochzeit vor Augen
Kranfahrerin
99089 Erfurt
Christa Mönchgesang wurde am 08.05.1937 im tschechischen Politz an der Elbe geboren. Ihre Mutter arbeitete als Zugschaffnerin und später als Kranfahrerin, so dass Christa zu Beginn ihres Lebens viel Zeit bei den Großeltern verbrachte. „1945 kam der Aufruf, dass wir innerhalb eines Tages das Land in Richtung Westdeutschland verlassen sollten. Pro Kopf waren uns 100 kg Gepäck gestattet“, erinnert sie sich an diese entbehrungsreiche Zeit. „Natürlich wollten wir als Familie zusammen bleiben, was uns auch gelang. Wir wurden zuerst auf einen Hänger verladen, danach in Decin per Schiff bis Dresden gebracht und von dort aus ging es in Zugwaggons nach Thüringen, wo wir schließlich in Hassleben bei Sömmerda in einer Gastwirtschaft abgesetzt wurden. Dort wurden wir freundlich aufgenommen und gut versorgt, bis wir auf einem Bauernhof unterkamen“, beschreibt sie weiter. Nach einem Jahr Schule in Politz wurde Christa in Hassleben neu eingeschult und besuchte acht Jahre den Unterricht. „Hier spürte ich nun den Gegenwind der Menschen“, sagt sie. „Wir wurden als Evakuierte bezeichnet und hatten es nicht leicht. 1947 wurde ich getauft, später auch konfirmiert und versuchte, mich immer besser in die Gemeinschaft einzufügen.“ Ihr Berufswunsch Friseurin ließ sich aufgrund einer Asthmaerkrankung leider nicht realisieren. Aus diesem Grund arbeitete Christa zusammen mit ihrer Stiefschwester vorerst drei Jahre in einer Erfurter Gärtnerei. 1954 heiratete sie ihren Mann Hans Mönchgesang, der bei der Bahn tätig war. Bereits wenige Monate später wurde sie Mutter von Zwillingen. Insgesamt hat das Paar mit drei Mädchen und zwei Jungen fünf Kinder, mittlerweile acht Enkel und ebenso viele Urenkel. „Als die Kinder etwas größer waren, habe ich bei meiner Cousine als Verkäuferin im Konsum gearbeitet“, erzählt Christa. Ihre berufliche Erfüllung fand sie jedoch als Kranfahrerin. Sie absolvierte eine Lehre im VEB Umformtechnik Erfurt und war mit einer kurzen Unterbrechung 30 Jahre in ihrem Lehrbetrieb tätig. „Auf dem Brückenkran saß ich am liebsten. Kran fahren war wie ein Hobby für mich“, schmunzelt sie. „Ich habe viele Auszeichnungen bekommen, war dreimal Aktivistin. Kurz vor der Wende wurde sie invalidisiert. „Wir hatten immer schwere Materialien zu transportieren. Mein Rücken hat das nicht mehr mit gemacht“, sagt Christa Mönchgesang. Heute genießt sie die freie Zeit mit ihrer Großfamilie. „Die Feier zu meinem 80.Geburtstag steht an, und ich freue mich darauf, alle wiederzusehen.“ Für diesen Anlass wird natürlich auch kräftig gekocht und gebacken. In zwei Jahren plant sie zudem schon das nächste Jubiläum: Die Eiserne Hochzeit nach 65 gemeinsamen Ehejahren. “Dieses Fest ist unser großes Ziel“ sagt sie und möchte alles dafür tun, dass sich dieser besondere Lebenstraum erfüllt.