MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Brigitte und Werner Natzke

Miteinander reden, nicht übereinander

Brigitte und Werner Natzke

Postzustellerin
Bautischler
Friedrich-Engels-Str. 4

04779 Wermsdorf OT Luppe

Brigitte und Werner Natzke lernen sich beim Tanzen im Landgasthof „Zum Hirsch“ Meltewitz kennen, 1977 heiraten sie. Sie führen bis heute eine gute Ehe, zu der auch mal der eine oder andere Streit gehört, denn beide schätzen Ehrlichkeit. Werner Natzke trifft sich seit 1991 jeden Donnerstag mit guten Freunden zum Gespräch, wobei man stets vermeidet, über Abwesende herzuziehen. Man will miteinander reden, nicht übereinander. Die Natzkes sind stolz auf ihr Lebenswerk, vor allem auf das Schmuckstück, das sie aus einer alten Bauernwirtschaft geschaffen haben. Der im Jahr 1979 geborene Sohn Robert arbeitet bei der Bahn als Bürokaufmann, sein 1983 geborener Bruder Martin ist ebenfalls noch Single, lebt mit einer Freundin zusammen und arbeitet als Pfleger. Zum Leidwesen der Eltern gibt es noch keine Enkel. Brigitte Natzke wird am 22. November 1955 geboren und erinnert sich gern an eine behütete Kindheit mit viel Arbeit. Die Eltern sind in der Genossenschaft tätig, schon früh um halb fünf Uhr müssen die Kinder vor der Schule das Vieh versorgen, da der Vater an Herzasthma leidet. Brigitte Natzke erinnert sich noch heute an die Tränen, die sie vergießt, als sie wegen der Arbeit auf einen Badeausflug mit den Freundinnen verzichten muss. Sie will Kindergärtnerin werden, da sie sich für die Konfirmation entscheidet, ist diese Tür für sie verschlossen. Stattdessen erlernt sie den Beruf einer Stenotypistin im Erstlings- und Kinderbekleidungswerk Oschatz – EKO. Später arbeitet sie als Industriekauffrau und ist bei der Sparkasse und bei der Post, zuletzt als Zustellerin, tätig. Sie erlebt, wie nach 1990 der Kontakt zu den Menschen immer unpersönlicher wird und die Zustellbezirke immer größer werden. Im Jahr 2013 muss sich Brigitte Natzke einer Lebertransplantation unterziehen und ist derzeit erwerbsunfähig. Werner Natzke kommt am 31. August 1951 zur Welt und wird in der Schule wegen seines Klumpfußes viel gehänselt. Die Eltern leben als Vertriebene mit zwei Kindern bei einem Bauern. Vier Jahre später ziehen sie in eine Mietwohnung. Es folgt noch die Geburt von drei weiteren Geschwistern. Beim Ausscheid der Jugendfeuerwehren erreicht die Crew von Werner Natzke 1962 den ersten Platz und wird mit einem Rundflug über Leipzig ausgezeichnet. Der Junge zeigt schon früh technische Begabung und schließt 1970 bei einer PGH eine Ausbildung zum Tischler ab. Bis 2007 arbeitet Werner Natzke in seinem Betrieb und ist ab 1979 auch in Berlin bei der „FDJ-Initiative Berlin“ tätig. In dieser Zeit schleppt er viele Bierkästen aus der Hauptstadt nach Hause, weil selbst das Bier in den Bezirken Mangelware ist. Ab 2008 wird er arbeitslos und muss sich anschließend als Leiharbeiter mit befristeten Stellen durchschlagen, was ihn auch psychologisch sehr belastet.
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