MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Siegfried Mösch
Den Widrigkeiten zum Trotz – Ein erfülltes Leben
Ingenieur für Werkzeugmaschinenbau
08321 Zschorlau
Siegried Mösch wird 1934 in Aue geboren und wächst in Zschorlau auf. Der Vater ist Buchbinder, die Mutter Spitzenklöpplerin. Aufgewachsen in Böhmen in sehr ärmlichen Verhältnissen kommt sie nach Zschorlau zu einem Bauern, um die Familie zu entlasten. Im Jahr 1936 baut der Vater das Haus, in dem Siegfried Mösch heute wohnt. Nach dem Abschluss der Schule im Jahr 1949 will er Elektriker werden, doch die Lehrstellen sind schon weg und so erlernt er in den folgenden drei Jahren den Beruf eines Klempners und Installateurs. Siegfried Mösch arbeitet nach dem Ende der Lehre in der Firma Industrieofenbau in Aue, zunächst zwei Jahre als Blechschlosser und dann als Technischer Zeichner. Gleichzeitig absolviert er ein fünfjähriges Abendstudium. Die Ingenieurabendschule schließt er 1957 als Ingenieur für Werkzeugmaschinenbau ab. Im Jahr 1958 werden in der DDR die Lebensmittelkarten abgeschafft. Während einer Auseinandersetzung mit dem FDJ-Sekretär der Kreisleitung erklärt er: „Wenn wir nicht so viele Holzköpfe in der Wirtschaft hätten, hätten wir die Lebensmittelkarten schon viel früher abschaffen können“. Dieser zeigt ihn an, er muss sechs Monate wegen „staatsfeindlicher Propaganda“ absitzen. Kurz vorher hat er sich mit seiner Freundin Roswitha verlobt, das junge Paar steht kurz vor der Hochzeit. Im Gefängnis ist er zunächst für kurze Zeit Kalfaktor und arbeitet später im Kombinat „Albert Funk“ in Freiberg auf dem Bau und beim Offenstallbau der LPG. Dort bekommen die Häftlinge von der LPG einmal richtig gutes und nahrhaftes Essen. Nach der Haft kehrt Siegfried Mösch in seinen Betrieb zurück, die beiden Zeugen, die gegen ihn ausgesagt haben, ducken sich weg, viele Freunde sagen ihm, dass ihnen sein Schicksal leid tut. Von 1961–1980 arbeitet er als Abteilungsleiter im Elektroofenbau. Die Anforderungen im Betrieb werden immer höher geschraubt ohne dass es Erweiterungen oder größere Modernisierungen gibt. Außerdem muss er in dieser Zeit ohne eine Lohnerhöhung auskommen. Im Jahr 1980 wechselt Siegfried Mösch zum Halbzeugwerk Auerhammer und bekommt hier gleich mehr Lohn für seine Arbeit. In den folgenden zehn Jahren arbeitet er als Konstrukteur, er konzipiert die Entwürfe, eine Zeichnerin bringt sie dann in die Endfassung. Die Arbeit ist sehr interessant, das Betriebsklima sehr gut. Ab 1990 arbeitet Siegfried Mösch als Bauamtsleiter in der Gemeinde Zschorlau. Seit 1997 genießt Siegfried Mösch den Ruhestand, das Haus und der Garten sorgen immer für Beschäftigung, außerdem ist er seit 1990 sehr viel gereist. Seit 60 Jahren ist er im Posaunenchor, seit dem 80. Geburtstag allerdings nicht mehr als aktives Mitglied, er besitzt eine Briefmarkensammlung von Komponisten und Musikern mit 3000 Blatt und hat diese schon auf vielen Ausstellungen präsentiert. Mit seiner Frau Roswitha ist er seit 1959 verheiratet, zur Familie gehören die Kinder Carmen, Stefan, Claudia und Beate sowie sechs Enkel und ein Urenkel, die alle in der Region leben.