MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Heinz und Helgard Möckel
„Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.“ (Franz Kafka)
Reumtengrüner Weg 11
08233 Treuen OT Schreiersgrün
Fon: 037468 / 2161
Förster wolle der 1935 geborene Sohn eines Kochs und einer Stickerin werden. Doch dazu kam es nicht, denn die Möglichkeiten waren schlichtweg nicht vorhanden. 1942–1950 drückte er die Schulbank, lernte den Schlosser-Beruf im VEB Nema Netzschkau und qualifizierte sich zum Schweißer. Bis 1971 war er so tätig, absolvierte dann einen Meisterlehrgang an der Ingenieurhochschule Chemnitz. Er begann im VEB Hartsteinwerk Oelsnitz, arbeitete hier als Verantwortlicher für die Produktion bis 1985. Die beiden Folgejahre war er wegen einem Gehörschaden in einem Regierungssanatorium als Schlosser und als Landschaftspfleger tätig, danach wieder in den Hartsteinwerken (Abteilung Materialwirtschaft) angestellt. Ab 1993 erhielt er Altersübergangsgeld, ging dann in den Ruhestand. Er sagt von sich ein streng disziplinierter aber sehr gutmütiger Mensch zu sein. Nicht nur für sich, sondern auch für die Gesellschaft nutzbringend zu sein, war und ist für ihn wichtig. So war er selbst aktiv im Sportverein, der Freiwilligen Feuerwehr, dem Geflügelzucht- und Brieftaubenverein. Noch heute zählt die Geflügelzucht (Rassehühner) zu seiner liebsten Beschäftigung. Wald und Natur sind ihm ans Herz gewachsen. Ein Stück eigener Wald, Garten und Obstanbau sorgen für immer währende Bewegung. „Wenn es nur geht, sind wir draußen...“ sagt er. Das hält gesund und auch die regelmäßigen Kurreisen an die polnische Ostsee sorgen für Wohlergehen der Eheleute Möckel. Acht Klassen besuchte die 1941 geborene Helgard Muck die Schule. Ihr Wohnort lag an der innerdeutschen Grenze. Von dort wurde sie mit ihren Großeltern 1952 zwangsausgesiedelt. Nach der Schulzeit wurde sie Facharbeiter Ackerbau und Viehzucht und arbeitete in der Landwirtschaft ihres Opas, der auch ihr Vormund war. 1960 heiratete sie ihren Mann Heinz, wechselte 1961 in den Stickereibetrieb ihrer Schwiegereltern. Zwanzig Jahre war sie hier tätig, begann 1981 als Zuschneiderin in der Firma Friedrich Seidel in Schreiersgrün und blieb hier bis sie zwanzig Jahre später die Rente erreicht hatte. In der Ehe wurden drei Kinder geboren: Die Zwillinge Heike und Elke (geb. 1964, Pflegedienstleisterin und Lehrerin) und Tochter Kerstin (geb. 1967, Gastronomin). Selbst seit 1948 ein Waisenkind, freut es sie besonders, dass es in der Familie so harmonisch zugeht und diese um vier Enkelsöhne gewachsen ist. Weihnachten und Geburtstage werden in großer Runde gefeiert. Bei all der Freude an ihren Angehörigen wünschte sie sich doch eins: Ihre Eltern noch einmal sehen zu können. Der frühe Verlust schmerzt sie noch heute. Sie lebt von der Erinnerung und in einem erinnerungsträchtigem Haus: Dem Elternhaus von Ehemann Heinz, indem sich einst auch die Stickerei befand in der sie selbst zwanzig Jahre arbeitete.