MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Horst Mäßig
Ohne Fleiß kein Preis
mit Tochter Bärbel Popig
Papiermacher
Textilfacharbeiterin
Hauptstr. 47
09328 Lunzenau OT Elsdorf
Als Einzelkind wuchs der 1934 in Oberelsdorf (Mittelsachsen) geborene Horst Mäßig auf. Die Jahre des Krieges prägten sein junges Leben, der schwer verletzte Vater musste im Görlitzer Lazarett besucht werden, in Oberelsdorf fiel eine verirrte Bombe, tötete acht Menschen der Nachbarschaft, auch seine Oma war dabei. Nach achtjährigem Schulbesuch begann Horst Mäßig eine Lehre als Papiermacher in der Lunzenauer Papierfabrik, nach drei Jahren abgeschlossen. Doch diesen Beruf sollte er nur kurz ausüben. Zwanzig Jahre war er bei Wind und Wetter in der Sandgrube Biesern (bei Rochlitz) unterwegs. Dann wechselte er in Kerns Mützenfabrik nach Lunzenau, stand früh um vier Uhr auf, denn er war Heizer, Hausmeister und vor allem Dämpfer (so wurden die Uniformmützen in Form gebracht). Trotzdem fand er die Zeit, um ein lieb gewordenes Hobby zu pflegen und die Familienkasse aufzubessern. Er spielte Gitarre und sang in verschiedenen Bands, z. B. im Hordy-Trio. Auch seine Frau Gertraude (Heirat 1956, 2015 verstorben) hatte nach anfänglicher Heimarbeit als Näherin hier ihren Platz gefunden. Als die Mützenfabrikation nach dem Ende der DDR privatisiert wurde, ging er in den Vorruhestand. Viele Kleintiere gehörten immer zur Familie, Katzen sowieso, aber auch Enten und Gänse und bis heute die Hasen.
Jetzt kümmert sich vor allem Tochter Bärbel – zusammen mit ihren Geschwistern – um ihn, die als Mittlere der fünf Kinder dem Ehepaar geschenkt wurde. Sie kam 1965 in Rochlitz zur Welt, besuchte anfangs die Elsdorfer Schule, dann die Polytechnische Oberschule in Lunzenau, schloss mit der 10. Klasse ab. Ihre Lehre im Texturseidenwerk Flöha, Werk III Lunzenau konnte sie wegen guter Leistungen nach anderthalb Jahren beenden, wirkte jedoch nur kurz als Textilfacharbeiterin, denn im folgenden Jahr 1984 kündigte sich Tochter Beatrice an. 1988 folgte Sohn Marcus. 1986 hatte sie geheiratet, ihr Mann, ebenfalls im Texturseidenwerk und später in der Baubranche tätig, ist seit April 2016 bereits im Ruhestand. Bärbel Popig durfte im Texturseidenwerk nicht Lehrausbilderin werden, denn sie weigerte sich, in die Staatspartei SED einzutreten. Da wechselte sie auch in die Mützenfabrik, nähte die Schilder an die sogenannten Schmidt-Mützen, arbeitete später in der Versandabteilung und als Springer, wo immer sie gebraucht wurde. Als die privatisierte Firma 1995 in Insolvenz ging, fand sie diverse Gelegenheitsjobs in der Schulküche, in der Kinderbetreuung, im Pflegeheim. Seit 2011 (zuvor schon aushilfsweise) ist die Gaststätte „Manhattan Ost“ in Rochsburg ihr Wirkungskreis, wo sie, deren Tag 48 Stunden zu haben scheint, alles ist: Köchin, Reinigungskraftund Bedienung.