MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Helga Möbes
Ein Leben, das niemals einfach war
Arbeiterin und Mutter
06618 Naumburg
Sie hat eine große Familie und ist doch oft einsam. Seit einem Jahr wartet sie vergeblich auf den Besuch ihrer Kinder. Erbstreit hat die Familie entzweit.
„Es tut sehr weh, allein zu sein“, sagt Helga Möbes.
Mit 36 Jahren wird sie Witwe. Ihre vier Kinder muss sie allein großziehen.
Sie wohnt in einem Siedlungshaus mit Garten und kann sich Hühner, Gänse, Enten und Schweine halten. Das Futter für die Tiere baut sie selbst an. An den Nachmittagen putzt sie bei älteren Leuten. „So habe ich mich durchgewurschtelt. Meine Kinder mussten nicht hungern“, erzählt Helga Möbes.
Die Mutter hat sie früh verloren. Mit dem Vater lebt sie auf dem Hof der Großmutter, die einen Bauernhof allein bewirtschaftet. Es ist ein frostiges Zuhause. Vater und Oma reden nicht miteinander, und das Mädchen erfährt kaum Zuwendung. Doch kräftiges Zupacken, das wird von ihr verlangt.
Nach der Grundschule geht Helga Möbes auf einen Bauernhof in Stellung. Einen Beruf kann sie nicht lernen, sie muss Geld verdienen.
1957 wechselt sie zum Bau, weil man dort sehr viel mehr verdienen konnte. Als Hilfsarbeiterin siebt sie Sand, schleppt Steine.
Nach zwei Jahren gibt Helga Möbes den Bau auf. In den Leuna-Werken arbeitet sie in drei Schichten als Hemmschuhlegerin. Es sei nicht ungefährlich gewesen, Klötzer auf die Schienen zu legen, um die Waggons zu stoppen, meint sie.
In Leuna lernt Helga Möbes einen Mann kennen, den sie sehr bald heiratet. In kurzen Abständen bringt sie ihre Kinder zur Welt. Ihr Mann kränkelt. Er stirbt 1976. Zu dieser Zeit ist Helga Möbes bereits Stationshilfe in einem Pflegeheim. Dort bleibt sie bis 1980. Danach reinigt sie beim DTSB Naumburg und bei der NDPD Büroräume.
1990 verliert Helga Möbes diese Arbeit. Eine neue findet sie nicht mehr. Doch dafür eine neue Liebe. 1995 begegnet ihr Herbert Kluge, Futtermeister in einer LPG. „Wir haben uns sehr gut verstanden. Er war auch immer für meine Kinder da“, so die 69-Jährige. „Ich habe ihn zwei Jahre gepflegt, und ich vermisse ihn sehr.“
In den letzten Jahren ist Helga Möbes viel gereist. Sie war in Spanien, Italien und in den schönsten Gegenden Deutschlands. Oft dabei eine Schulfreundin. Schulfreundinnen sind es auch, mit denen die gebürtige Wethauerin jedes Jahr am 17. März ihren Geburtstag feiert.
Mit viel Kraft, viel Willen und mit Ehrgeiz hat Helga Möbes ihr Leben gelebt. Ein Leben, „das niemals so einfach war“.
Sie hat einen großen Wunsch. Sie will nur gesund bleiben, um ein wenig reisen zu können …