MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Waltraud Müller

„Müde macht uns die Arbeit, die wir liegenlassen, nicht die, die wir tun.“ (Marie von Ebner-Eschenbach)

Waltraud Müller

Waltraud Müller
Nordweg 56
06847 Dessau-Roßlau
Fon: 0340 / 8500885

Im Jahr 1937 in Zerbst geboren hatte das kleine Waisenkind Waltraud das Glück bereits im Säuglingsalter von einem Fleischermeister-Ehepaar aus Coswig adoptiert zu werden. Der Adoptivvater kehrte aus dem Krieg nicht zurück, ihre Mutter fand einen neuen Mann – einen Fuhrunternehmer und Rossschlächter aus Dessau. So wurde nach der Schule aus dem Mädchentraum Technische Zeichnerin zu werden nichts, das Fuhrgeschäft der Eltern mit zwanzig Pferden und einem Transportgeschäft verlangte nach Unterstützung. Die sah der Vater in früher Hilfe der Kinder und nach der Schulzeit in sofortiger Arbeitsaufnahme dort. Der elterliche Betrieb vermittelte die Pferde an innerstädtische Speditionen, bis die Betriebe E-Karren angeschafft hatten und auch keine Pferdegespanne mehr die Innenstadt passieren durften. Das Gewerbe musste umstrukturiert werden. Man verlegte sich nun auf den Lumpenhandel, führte Häusersammlungen durch. Sie erinnert sich an die Anfänge: „Flaschen, Gläser, Lumpen, Altpapier“ riefen sie werbend durch die Straßen. Bald hatte sich das Ganze gut etabliert. Die Firma wuchs, zwei Lastwagen konnten angeschafft werden. Die Stadt Dessau verfügte bald über dreizehn kleine selbstständige Altstoffhandel-Betriebe. Das Geschäft wurde nun gelenkt, aber auch der VEB Sekundärgroßhandel gegründet, der die „Filetstücke des Marktes“, z. B. alle Großbetriebe, abgriff und den kleinen Mitbewerbern nur unliebsame bzw. arbeitsaufwendige Nischen überließ. „Von jetzt auf Null weg....“ erinnert sich Waltraud Müller an den Werdegang des Familienunternehmens mit Eintritt der politischen Wende in der DDR. Sie selbst zu der Zeit als Mitglied des Präsidiums der IHK aktiv, erfuhr: Alle in der DDR ehemals selbstständigen Unternehmer, die nach der Wende unverschuldet in das soziale Abseits gerieten, konnten sich arbeitslos melden, wenn sie ihren Gewerbeschein abgaben. Waltraud Müller nahm nicht nur selbst diese Möglichkeit wahr, sondern nutzte alle Chancen um weitere Kleinhändler davon zu unterrichten – nicht immer wurde ihr Rat angenommen. Sie erfuhr später oft vom Niedergang dieser Kleinunternehmen, in zwei Fällen gar von der Selbsttötung erfolgloser, verzagter Berufskollegen. Selbst nun arbeitslos gemeldet fand sie bis zum Eintritt in die Erwerbsunfähigkeits-Rente Anstellung bei der DAA (Deutschen Angestellten Akademie) – eine Arbeit die ihr Spaß machte, aber über den Verlust der Eigenständigkeit und des Familienbetriebes nie richtig hinwegtrösten konnte. Es fiel ihr sehr schwer nicht mehr berufstätig sein zu können nachdem sie von Kindesbeinen an das Zufassen gewohnt war, so viel im Leben erreicht hatte. Die freie Zeit widmete sie nun ihrer Familie, dem Lesen, Theaterbesuchen und Freunden. Ihren Mann Wolfgang (geb. 1943) hat sie in einem Urlaub in der Sächsischen Schweiz kennengelernt und 1968 geheiratet. Die Töchter Beate (1962, Anästhesie-Schwester), Ute (1963) und Silke (1965, Leiterin Alten- und Pflegestation) aus erster Ehe bereichern die Patchwork-Familie und sind ihr Stolz. Sehr agil, für alles offen und kommunikativ beabsichtigt sie noch lange gesund ihr Leben selbst zu bestimmen – so wie sie es gewohnt ist und immer getan hat. Erst einmal aber freut sie sich auf eins: Die Goldene Hochzeit im Jahr 2018.
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