MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dr.-agr. Walter Müller
Initiator der Schlossrettung
99444 Blankenhain
Dr. Walter Müller verlegte 1997 seinen Lebensmittelpunkt von Hessen nach Thüringen in die Stadt Blankenhain. Hier musste er feststellen, dass das mitten in der Stadt leer stehende Schloss völlig verwahrlost war. Die Stadt Blankenhain hatte dieses von der Treuhandanstalt aus dem DDR-Vermögen gekauft, aber es konnte mangels Bauunterhaltung nicht genutzt werden. Dr. Müller diskutierte deshalb mit Blankenhainer Bürgern die Frage, ob das Schloss zum kulturellen Mittelpunkt der Stadt entwickelt werden sollte, anstatt zu warten, bis es völlig zur Ruine verkommen ist. Aus den Gesprächen entstand schließlich im Mai 2000 der „Verein zur Erhaltung und Nutzung des Kulturdenkmals Schloss Blankenhain e. V.“ („Schlossverein“), dessen 1. Vorsitzender Dr. Müller wurde und ihm dann fünf Jahre vorstand. Die notwendige Generalinstandsetzung scheiterte zunächst daran, dass die Stadt als Eigentümer nicht den erforderlichen Eigenanteil (20–25%) erbringen konnte, um Fördermittel aus der Städtebauförderung zu erhalten. Dank der Kontaktaufnahme von Dr. Müller mit der Bundesverwaltung für Arbeit bzgl. Einsatz von ABM- Kräften sowie mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die Geld für die Instandsetzung des Innenhofes beisteuerte, wurden die Eigen-Ersatzmittel für die Inanspruchnahme von Fördergeldern gesichert. Mit Fertigstellung des letzten Bauabschnittes, einer zentralen Toilettenanlage, war die grundlegende Gebäudesanierung im Oktober 2013 beendet. Das restaurierte Schloss erstrahlt nun wieder im farblichen Zustand von 1690 und wird heute u. a. für öffentliche und private Veranstaltungen, Konzerte und Feierlichkeiten genutzt. Damit hat der Schlossverein e. V. sein wesentliches Ziel erreicht und einen kulturellen Mittelpunkt in der Stadt geschaffen.
Basierend auf seinem Grundsatz: „Das örtliche Geschehen von heute, ist morgen Ortsgeschichte von gestern und ist übermorgen vergessen, wenn es nicht dokumentiert wird“, rief Dr. Müller 2006 den „Arbeitskreis Stadtgeschichte Blankenhain e. V.“ ins Leben. Dieser gibt seit 2007 Jahrbücher zur Stadtgeschichte mit jeweils einem speziellen Leitthema heraus. Auch hier hat Dr. Müller inzwischen den Vorsitz in jüngere Hände übergeben.
Sein Berufsleben verbrachte der 1927 in Gießen Geborene im wesentlichen in Hessen. Da das Kriegsabitur nicht anerkannt wurde, musste er dieses nach dem Besuch eines Sonderlehrganges 1947 nochmals ablegen. Mit Beendigung der landwirtschaftlichen Lehre konnte er dann an der Universität Gießen studieren. Als Dipl.- Agraringenieur war er anschließend dort noch wissenschaftlich tätig und promovierte 1953. Dr. Walter Müller wechselte nun in die Industrie und schließlich 1960 als Quereinsteiger in die hessische Agrarverwaltung, war zunächst Pressereferent, später Leiter der hessischen Staatsdomänenverwaltung und ging 1991 in den Ruhestand. Da seine Mutter aus dem Weimarer Land stammte, hatte er hierhin immer schon verwandtschaftliche Kontakte. Dadurch ergab sich auch die Bekanntschaft zu Christel Wunderlich, mit der er seit 2000 in zweiter Ehe verheiratet ist. Sie hat dem Neu-Blankenhainer den Einstieg in die Stadtgeschichte wesentlich erleichtert.