MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Horst und Gerda Müller
„Der Bauern Arbeit ist am fröhlichsten und voller Hoffnung.“ (Martin Luther)
Landwirt, Berufskraftfahrer
Näherin
Dammweg 2
09232 Hartmannsdorf
Als letztes von fünf Kindern kam Horst Müller 1940 in Hartmannsdorf zur Welt. Seine Eltern arbeiteten in der Textilindustrie und kümmerten sich sehr um die Kinder. „Meine Kindheit fiel in die kargen Kriegs- und Nachkriegsjahre. Doch Hunger leiden mussten wir nicht, da wir in der Landwirtschaft geholfen haben,“ berichtet er davon. 1946 kam er in die Schule, beendete sie 1954 mit der 8. Klasse. Vorstellungen vom Beruf hatte er da noch nicht. Da er schon als Kind immer in der Landwirtschaft mit helfen musste, kannte er sich in diesem Metier gut aus und so lernte er schließlich auch den Beruf Landwirt. „Die vier Ausbildungsjahre möchte ich niemals vergessen, ich habe viel gelernt, habe Kälber und Ferkel mit auf die Welt geholt, Pferdegespanne gefahren, habe Zentner-Säcke auf den Boden geschleppt, geholfen Pferde zu beschlagen.....Die Landwirtschaft war schwere Arbeit, aber mir hat sie gefallen....“ erklärt er seine vielseitigen Aufgaben und die Freude an seiner Arbeit – schon während der Ausbildungszeit bei einem Diplom-Landwirt auf einem privaten Bauernhof. „Aber leider war 1958 Feierabend. Da ging es mit der LPG los, damit kam ich nicht klar und wechselte meinen Beruf. Ich wurde Kraftfahrer,“ beschreibet er seinen weiteren Werdegang. Bei der Konsumgenossenschaft fuhr er Pkw, in einem Taxiunternehmen Lkw und immer mehr auch längere Strecken. Doch die alten Autos die er dabei lenken musste wurden ständig von der Polizei kontrolliert und ihn nervte das zunehmend. Er wollte Veränderung. Für seinen Wunsch Omnibus zu fahren erlangte er den Personenbeförderungsschein, kehrte jedoch dann zu seinem vorherigen Arbeitgeber zurück und war fortan mit seinem Lkw in der ganzen ehemaligen DDR unterwegs. 1974 wechselte er als Kraftfahrer in die Textilbranche, blieb hier bis Ende 1991 tätig. Die wendebedingte Abwicklung seines Betriebes führte ihn in die LVA als Pkw-Fahrer. Den Rückgang der Fahraufträge kompensierte er mit einer ergänzenden Tätigkeit als Hausmeister – bis zum Renteneintritt. Aus erster Ehe hat Horst Müller zwei Söhne. Andreas und Mario sind beide in seine Fußstapfen getreten und Landwirte geworden. Ehefrau Gerda wurde 1938 in Trachenberg (Schlesien) geboren und erlebte Flucht und Vertreibung mit. Mit ihren beiden Schwestern wuchs sie ohne Vater auf. Ihre alleinerziehende Mutter (Köchin) hatte es schwer sich und die drei Kinder in harter Zeit und trotz Verlust von Heimat und fast gesamter Habe durchzubringen. Deshalb konnte das Mädchen ihren Berufswunsch (Schneiderin oder Friseurin) nicht realisieren. Sie musste nach der Schule (1944–1952) sofort zum Familienunterhalt beitragen und statt einer Lehre eine Arbeit aufnehmen. Gleiches Los traf ihre Schwestern. In einer Textilfabrik arbeitete sie als angelernte Näherin, konnte sich später zur Zuschneiderin hocharbeiten. Eine Zeit lang war sie auch in Heimarbeit tätig. Sie erinnert sich gerne an die damaligen Kollektive, deren Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn. Auch in ihrer ersten Ehe wurde ein Sohn geboren, der leider 41-jährig verstorben ist. Kennengelernt hat sich das Paar Müller während Gerdas Heimarbeitszeit. Horst war damals für die Belieferung und Abholung der Aufträge eingesetzt. 1982 heirateten die beiden. Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft sind den Müllers wichtig. Nicht nur gegenseitig und in der Familie sondern auch in der Nachbarschaft. Das macht das Leben einfacher und angenehmer, finden sie. Das Haus in dem das Paar lebt hat Horst Müller 1970 erworben und später mit eigner Kraft und eigenen Mitteln um- und ausgebaut. So haben sie es heute schön. Früher waren sie oft wandern, sind viel gereist. Heute müssen sie sich gesundheitsbedingt altersgerechtere Beschäftigungen vornehmen. „Aber wir ergänzen uns bei allem...“ schließt Horst Müller seinen Bericht.