MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Regina Müller
„Es geht jeden Tag die Sonne auf und die Erde dreht sich weiter....“
Dr.-Goerdeler-Str. 1
09212 Limbach-Oberfrohna
Fon: 03722 / 88187
Kaum war das Mädchen Regina am 15.12.1944 geboren, musste ihre Mutter mit dem Neugeborenen die Heimat Schlesien verlassen. Als Umsiedler in Reichenbrand auf einen Bauernhof eingewiesen, fanden Mutter und Tochter sehr gute Aufnahme und familiäre Anbindung. Durch die Umstände arm an materiellen Gütern, konnte Regina mit ihren jüngeren Geschwistern nun trotzdem sehr behütet aufwachsen. Auch der Vater kehrte aus dem Krieg zurück und trug mit seiner Arbeit später zur Besserung der Lebensumstände bei. Die Haltung von Geflügel und Kaninchen erleichterte zudem die Versorgung der Familie. An den ersten Schultag erinnert sich Regina Müller noch heute mit Grauen. Die Zuckertüte war zwar groß und vollgefüllt mit Süßigkeiten, und mit rosa Kleid und Lederschuhen sah sie wie eine kleine Prinzessin aus, doch sie fühlte sich aus der Geborgenheit des Elternhauses und der Geschwister gerissen. Die Mutter hielt zu gutem Lernen an, versuchte ihr eigenes Flüchtlingstrauma zu überwinden indem sie den Kindern den Weg aufzeigte ihr Flüchtlingsstigma los zu werden. Der Wunsch der jungen Regina, Säuglingsschwester zu werden, erfüllte sich. Nach der 10. Klasse nahm sie 1961 an der Medizinischen Fachschule in Karl-Marx-Stadt die entsprechende Ausbildung auf, beendete sie 1964. Sie erinnert sich noch an ihre ersten praktischen Tätigkeiten in der Säuglingsklinik : Vier Wochen Hausreinigung, danach ging es in die Großküche, dann vier Wochen in die Großwäscherei, Näherei....Das Sprichwort „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ hat sie durchlebt – aber viel gelernt für ihr künftiges Leben und ihre spätere Arbeit. Viel wurde noch improvisiert, Materialien mussten für eine Wiederverwertung aufbereitet werden – es gab nicht viel, und die Nahrung betreffend, nichts fertiges. Zudem herrschte ein strenges Regiment, es gab „Zucht und Ordnung, aber geschadet hat es uns nicht....“, berichtet sie heute. 1962 lernte sie ihren Mann kennen, 1964 wurde geheiratet. Der Geburt von Tochter Sybille (geb. 1963, Grundschullehrerin und Pionierleiterin) folgte 1964 die von Sohn Thomas (Lokschlosser, Berufskraftfahrer). Ihren Abschluss als Säuglings- und Kinderkrankenschwester erlangte sie trotzdem. Ab 01.09.1965 arbeitete sie auf Station, übernahm als leitende Schwester später die Milchküche. Kollegialität, Arbeitsklima, Freude an der Arbeit.... – noch heute schwärmt sie von „ihrem Milchgeschwader“, das heute noch in steter Verbindung ist. Genauso freudvoll erinnert sie sich an die Jahre mit ihrem Mann, seine Unterstützung, seine Entwicklung, seinen Umgang mit den Kindern, die auch ihr selbst berufliches Fortkommen sicherten. 1988 Fachschwester geworden, 1989 zur Stationsschwester ausgebildet, erlebte sie die Wende in der Funktion Oberschwester und die Übernahme des Hauses durch das DRK. Als stellvertretende Pflegedienstleiterin hat sie alle Hochs und Tiefs der folgenden Entwicklung und Veränderung miterlebt, Risiken getragen, Erfolge verbucht. Schnell merkte sie den Unterschied zwischen den alten und neuen Bundesländern in ihrem Bereich, fasste zusammen: „Sie machen auch nichts anderes, nur dass sie schon Einwegmaterial haben und wir putzen noch....“ Regina Müller heute: „Menschlich und arbeitsmäßig war es vor der Wende schöner, es war ein besserer Zusammenhalt....“ Diese Gemeinsamkeit fehlte ihr später und trotzdem bestand sie alle Herausforderungen bis sie 2006 in den Ruhestand ging. 2007 ereilte Familie Müller dann die erste negative Gesundheitsprognose für ihren Mann, im Jahr 2016 ist er verstorben – zwei Jahre nach der Goldenen Hochzeit. Wenn es allen in der Familie gut geht ist das für Regina Müller größtes Glück. Sie in ihrem Rücken zu wissen ist Beruhigung und Freude.