MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Kurt Müller
Erfolgreiche Aufbauarbeit
Diplom-Staatswissenschaftler
Kirchplatz 6
01623 Lommatsch
Fon: 035241 / 52613
Kurt Müllers Mutter starb 1943, die Wohnung der Familie wurde ausgebombt. Die gute Tante, die dann auch zur Stiefmutter wurde, half dem jungen Kurt (Jahrgang 1937, in Chemnitz geboren), eine sorgsame Entwicklung zu nehmen. Die endete schulisch schon mit der 8. Klasse. Mit seinem Vortragstalent, im Singen und Rezitieren, sammelte er Anerkennung. Nun lernte er Dreher beim Werkzeugmaschinenkombinat in Chemnitz (später Karl-Marx-Stadt). Mit seinem Engagement im DDR-Jugendverband FDJ ging es nach Mecklenburg als Helfer in die Landwirtschaft. So lernte Kurt Müller sogar Melken. In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft trat er der Sozialistischen Einheitspartei (SED) bei. Dazu verpflichtete er sich für fünf Jahre in die bewaffneten Organe, schied 1959 als Oberfeldwebel aus. Dann arbeitete er in der heimischen Maschinenfabrik, ehe der Parteiauftrag hieß: Industriearbeiter aufs Land. Da war es gut, dass er in Mecklenburg schon Erfahrungen gesammelt hatte. Doch bald entschied die Kaderplanung der SED: Kurt Müller wird Bürgermeister. Er besuchte Lehrgänge, machte ein Praktikum beim Rat des Kreises Meißen und wurde stellvertretender Bürgermeister von Heynitz, dann Garsebach, ehe er 1967 als Bürgermeister in Striegnitz eingesetzt wurde. Für seine Tätigkeit qualifizierte er sich, vor allem im organisierten Selbststudium, konnte an der Akademie für Staat und Recht Potsdam-Babelsberg als Diplom-Staatswissenschaftler abschließen. Er engagierte sich in Striegnitz für den Bau von Konsum-Verkaufsstelle, Gemeindezentrum und Kindertagesstätte, war beteiligt am Aufbau von Gemeindeverbänden (hielt dazu auch Vorträge in der halben DDR), wechselte 1986 als Bürgermeister nach Lommatzsch. Die Konzertwinter, durch die Bürgermeister des Gemeindeverbandes ab 1975 gemeinsam organisiert, sind nur ein besonderes Beispiel der damaligen Fürsorge für die Bevölkerung auf dem Land, die er in seiner Amtszeit begleitete. Als die Demokratiebewegung im Herbst 1989 auch auf Mittelsachsen ausstrahlte, hatte er in den ehemaligen Funktionären keinerlei Unterstützung. Er behauptete sich, musste aber dem generellen Misstrauen gegenüber ehemaligen SED-Kadern Tribut zollen. Im Februar 1990 wurde Kurt Müller von den Abgeordneten der Stadt abgewählt, konnte in zweieinhalb Jahren beim Landratsamt bei Währungsumstellung und Aufbau einer Wohngeldstelle noch wichtige Aufgaben übernehmen. Seine erste Ehe wurde schnell geschieden, die zweite dauerte 43 Jahre und brachte zwei Töchter und einen Sohn (inzwischen drei Enkel) in die Familie. Wie seine zweite Frau ist auch seine dritte Partnerin bereits verstorben.