MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Karl Müller
Ortsverbunden
Rentner
Am Dorfberg 22
09648 Mittweida OT Lauenhain
In diesem Haus wurde er 1938 geboren, hier lebt Karl Müller noch immer, in jenem über 700jährigen Dorf, in dem seine Familie seit über dreihundert Jahren nachgewiesen ist, die erste Urkunde dazu datiert von 1688. Wie alle Familien hier, lebte man in dem Bauerndorf (heute nach Mittweida eingemeindet) von der Landwirtschaft, so auch Karl Müllers Eltern. Aus den Kriegsjahren sind ihm die hellen nächtlichen Horizonte von den Bombardierungen Dresdens und Chemnitz‘ erinnerlich, auch der Vater fehlte mehrere Jahre, 1943 zu den Waffen gezogen, 1949 aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekommen. Karl Müller besuchte nun schon die örtliche Schule bis zur 8. Klasse, absolvierte dann die Landwirtschaftsschule in Mittweida. Als Ende der fünfziger Jahre die selbständigen Landwirte in Produktionsgenossenschaften (LPG) zusammenfinden mussten, brach Karl Müller mit der bäuerlichen Tradition, zumal ihm der Orthopäde empfahl, einen schonenderen Beruf zu ergreifen. Den fand er beim VEB Kraftverkehr Mittweida. Die große Flotte dieses Betriebs, Lastkraftwagen, Taxis, Busse zu betanken wurde nun seine Aufgabe. Er hatte den Ehrgeiz, nun doch noch den Abschluss der 10. Klasse nachzuholen, doch eine weitergehende Entwicklung anzustreben, kam ihm – in Distanz zu dem, was in jenen DDR-Jahren gesellschaftliches Bewusstsein genannt wurde (er war stattdessen Kirchenmitglied) – nicht in den Sinn. Als Brigadier für die Tankwarte zuständig zu sein, genügte ihm vollauf, zumal Abend und die Wochenenden der Arbeit auf dem Hof galten, denn auch wenn die LPG Felder und Großvieh vereinnahmt hatte, Obst und Gemüse, das Kleinvieh gediehen auf dem kleineren Terrain seines Hofs. Noch heute als Ruheständler stehen ein paar Schafe im Stall bzw. auf der Wiese. Als nach 1990 in den neuen Strukturen der VEB Kraftverkehr abgewickelt wurde, fand Karl Müller seine Aufgaben bei der kommunalen Personenverkehrsgesellschaft, im letzten Jahr der Berufstätigkeit in der Außenstelle Hartmannsdorf.
Frau Susanne (Heirat 1963), ebenfalls aus der Landwirtschaft kommend, arbeitete lange Jahre bei der Deutschen Post, zuletzt Verwalterin der Hauptkasse. Sohn Holger, 1973 geboren und als Rechtanwalt in eigner Kanzlei in Dresden tätig, drei Enkel bereicherten die Familie.
Seit 1956 engagierte sich Karl Müller bei der Freiwilligen Feuerwehr, erlebte auch den Großbrand in der Weberei mit, genießt dort heute Seniorenehrenstatus.