MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Claus Müller
Herausforderungen anpacken
Agraringenieur
ehemaliger Bürgermeister
08543 Pöhl
Aus dem Erzgebirge stammend, 1940 in Hammerunterwiesenthal geboren, wuchs Claus Müller mit drei Geschwistern in einer Familie auf, der durch den Krieg der Vater genommen war. In seinem Heimatdorf besuchte er die Grundschule, wechselte dann an die Mittelschule in Cranzahl, schloss die Oberschule in Annaberg-Buchholz mit dem Abitur ab. Kirchlich orientiert, in der Jungen Gemeinde engagiert, den freiwilligen Armeedienst ablehnend, versagte ihm die DDR-Bürokratie den Studienplatz. Da entschied sich Claus Müller, erst einmal Geld zu verdienen, wechselte ins Vogtländische und absolvierte ab 1958 im Volksgut Christgrün eine Landwirtschaftslehre. Hier erhielt er die Möglichkeit, sich stetig weiterzubilden, erst als Besamungstechniker, dann auf der Fachschule Naumburg in Arbeitsökonomie. Im Fernstudium an der Fachschule in Zwickau konnte er sich als Agraringenieur qualifizieren. 1964 wurde er auf dem Volksgut Leiter der Viehwirtschaft, widmete sich hauptsächlich der Rinderzucht, war aber auch für Schweine, Pferde, Geflügel und die Fasanen verantwortlich. Hier im Volksgut lernte er auch seine Frau Evchen (Heirat 1961) kennen, die als Buchhalterin tätig war. Lange Jahre war das Volksgut berufliche Heimat, stolz konnte er auf seine Erfolge blicken, arbeitete auch als Ausbilder und in der Prüfungskommission. 1992 fiel das Gut an die Treuhand-Anstalt, wurde zerschlagen, privatisiert, heruntergewirtschaftet. Claus Müller war nach der Entlassung 1992 erst einmal arbeitslos, dann betraute ihn das Diakoniewerk der Evangelischen Kirche in Plauen mit der Betreuung schwervermittelbarer Jugendlicher. Als sich 1994 mehrere kleine Ortschaften (darunter Christgrün und sein Wohnort Ruppertsgrün) zur Gemeinde Pöhl zusammenschlossen, stand die Wahl zum hauptamtlichen Bürgermeister an. Claus Müller stellte sich der Herausforderung, gewann die Wahl und war die nächsten vier Jahre für die Interessen Pöhls und seiner Bewohner im Einsatz. Er baute die Gemeindeverwaltung auf, baute den lastenden Schuldenberg ab, privatisierte Neubauwohnungen an die Bewohner, statt an einen Investor, trieb Straßenbau und Abwassererschließung voran, bis seine Gesundheit nicht mehr mitspielte. Der Vater dreier Söhne (vier Enkel, ein Urenkel) ist seit 32 Jahren Vorsitzender des Männergesangsvereins Ruppertsgrün, dem er aktiv singend seit 49 Jahren angehört, und beschäftigt sich als Chronist mit der Geschichte seiner Ortsteile.