MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Prof. Dr. med. Erich Müller
Das wissenschaftliche Gesicht des Todes
Rechtsmediziner / Universitätsprofessor
Andreas-Schubert-Straße 37 F
01069 Dresden
Auch der gewaltsam Getötete hat seine Würde. Dies war ein wichtiges Prinzip des Rechtsmediziners, fernab jeglicher Krimi-Dramatik. Doch die Obduktion Verstorbener machte nur einen kleinen Teil seiner Arbeit aus, Blut- und Gewebeuntersuchungen, DNA-Analysen – das gesamte Spektrum war von Professor Müller zu beherrschen und als Lehrender an die Nachwuchsmediziner weiterzuvermitteln.
Geboren wurde Erich Müller 1936 in Wulka (Polen). Eine schwierige Zeit prägte seine Kindheit ab 1939 in Westpreußen, denn im selben Jahr begann der Krieg. 1945 folgten Jahre in einem Internierungslager bis zur Aussiedlung 1949 nach Linz im Kreis Großenhain (wenige Monate später die DDR). Hier in Großenhain konnte er endlich die Schule fortsetzen und 1955 das Abitur ablegen. Seinem Lehrer Wilhelm Hawer verdankt er viel. Er förderte ihn und ermöglichte das schnelle Aufholen der vier schulfreien Jahre. Das Studium der Humanmedizin begann er in Greifswald, setzte es jedoch später in Rostock fort. 1960 erlangte er die Approbation. Die Facharztausbildung für forensische Medizin absolvierte er an der Universität in Leipzig (1961–1965). Bereits 1964 konnte er erfolgreich seine Promotionsarbeit vorlegen. Als Oberarzt am Institut für gerichtliche Medizin der Martin-Luther-Universität Halle ab 1971 erhielt er 1974 die Lehrbefähigung und konnte sich 1978 habilitieren und 1979 eine Dozentur übernehmen. 1985 übernahm er als ordentlicher Professor die Leitung des Instituts für gerichtliche Medizin der Medizinischen Akademie Dresden „Carl-Gustav Carus“, die er auch 1994 als Professur nach neuem Recht übertragen bekam (nunmehr als Institut für Rechtsmedizin Teil der Technischen Universität Dresden) und bis zur Emeritierung 2001 beibehielt.
Eine besondere Herausforderung erwartete ihn, als er 1999 im Auftrag der Vereinten Nationen im Kosovo exhumierte Leichen aus Massengräbern untersuchte, Voraussetzung für Identifizierungen zu schaffen, Beweise für Kriegsverbrechen zu sammeln. Wie sehr bewegten ihn die Schicksale sinnlos getöteter Zivilisten, darunter wehrlos erschossener Kinder.
Noch immer widmet sich Prof. Müller wissenschaftlichen Forschungen, die sich im Lauf seines Lebens in zahlreichen Publikationen niederschlugen. Die Mitgliedschaft in universitären Kommissionen und rechtsmedizinischen Gesellschaften, z. T. mit internationalem Aspekt, war ihm ebenso wichtig.
Der seit 1961 verheiratete Vater zweier Kinder (auch zwei Enkel) ist bis heute sportlich aktiv und hat Freude am vielfältigen und traditionsbewussten musischen Geschehen Dresdens.