MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Annelies Müller

Zwei Staatsbürgerschaften

Annelies Müller

Horterzieherin
07747 Jena

Annelies Müller wurde 1926 in Schkeuditz als Tochter einer Deutschen und eines Niederländers geboren. Ihr Vater war während des 1.Weltkrieges zur Arbeit in ein großes niederländisches Bekleidungsunternehmen nach Leipzig gekommen. Dabei lernte er seine Frau kennen und blieb in Deutschland. Die Familie behielt die niederländische Staatsbürgerschaft was sich in der Nazizeit als sehr problematisch erwies. So musste ihr Vater alle Ehrenämter in der Innung, er war Schneidermeister mit eigenem Handwerksbetrieb, aufgeben und auch Annelies Müller bekam Probleme. Nach Abschluss der 8. Klasse durfte sie als Ausländerin offiziell keine Ausbildung beginnen. Laut Arbeitsamt gab es für sie nur Beschäftigung beim Bauern oder als Dienstmädchen. Über Kontakte ihres Vaters fand sich aber ein Unternehmer in Schkeuditz, der sie trotzdem annahm. Nach vier Wochen musste er ihren Ausbildungsvertrag zwar auflösen, beschäftigte sie jedoch illegal weiter. Als sich die Situation etwas beruhigt hatte, bekam sie einen neuen Vertrag von ihm und begann ihre Lehre im Herbst 1941 bei der Firma „Aurora-Heizung". Drei Jahre später erhielt Annelies Müller ihren Kaufmannsgehilfenbrief und arbeitete in diesem Betrieb weiter. 1946 hörte sie auf, um gemeinsam mit ihrem Vater eine mehrmonatige Reise in dessen Heimat zu unternehmen. Nach der Rückkehr blieb sie zunächst zu Hause und wurde erst ab 1952 wieder berufstätig. Durch Vermittlung von Bekannten aus Thüringen - alte SPD- Mitglieder - arbeitete sie nun beim DFD zunächst im Kreisvorstand Jena, später im Bezirksvorstand Gera im Bereich Kultur und Bildung. Dann nutzte Annelies Müller ein Angebot und wurde Mitarbeiterin der Hochschulgruppe des Kulturbundes an der Friedrich-Schiller-Universität. Als ihre Stelle nach Besuch einer Weiterbildung jedoch besetzt war, wechselte sie zur Kreisleitung der SED Jena- Stadt und war hier persönliche Mitarbeiterin für Kultur beim Sekretär für Kultur und Volksbildung. Ab 1961 blieb sie für sechs Jahre zur Kinderbetreuung zu Hause. Im Zeitraum von 1960-1964 schenkte sie ihren Kindern Christine, Annett, Bärbel sowie Dirk das Leben. Als diese dann Kindereinrichtungen besuchen konnten, wurde sie wieder berufstätig. An der Westschule in Jena, wo ihr Ehemann damals Direktor war, fehlten Betreuungskräfte für den Hort. So begann Annelies Müller dort ihre Tätigkeit in der Volksbildung zunächst als Horthelferin. Berufsbegleitend absolvierte sie einen Lehrgang zur Befähigung als Erzieherin. Dem schloss sich unmittelbar ein dreijähriges Studium am Pädagogischen Institut Crossen/E. zur Horterzieherin mit Lehrbefähigung für Musik / Kunsterziehung an. Nach dem Ende dieser Ausbildung erfolgte ihr Einsatz an der neu eröffneten Polytechnischen Oberschule (POS) „Theodor Neubauer“ II in Jena-Lobeda/West. Später war sie hier auch einige Jahre Hortleiterin, erreichte 1986 ihr Rentenalter und ging in den Ruhestand. Bereits dreißig Jahre zuvor hatte sie doch ihre niederländische Staatsbürgerschaft abgelegt und war eine Bürgerin der DDR geworden. Dieser Schritt erfolgte, da sie sich gesellschaftlich sehr engagierte und endlich Bürgerin dieses Staates sein wollte. "Ich wollte dazugehören!" Obwohl sie mit niederländischem Pass die ganze Welt hätte bereisen können, entschied sie sich für die DDR. Über 40 Jahre war Annelies Müller mit ihrem Ehemann Joachim († 2003), Diplompädagoge / Studienrat und viele Jahrzehnte Schuldirektor an verschiedenen POS in Jena, verheiratet. Ihre vier Kinder haben alle studiert. Tochter Christine ist auch Lehrerin geworden. Zur Familie gehören inzwischen 10 Enkel und ein Urenkel. Lesen sowie Hören klassischer Musik zählen zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Darüber hinaus engagiert sich Annelies Müller noch in der Volkssolidarität und ist Mitglied des Vorstandes sowie Hauptkassiererin der Gruppe Jena-Lobeda.
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