MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Guido Müllener
Vielen jungen Menschen den intellektuellen Weg ins Leben geebnet
Schleswiger Str. 8 18109 Rostock
hat Guido Müllener und ist stolz darauf. 1935 wurde er als Sohn einer Klavierlehrerin geboren, stand unter der Vormundschaft seines Großvaters, eines Lehrers und Kantors. Diese berufliche Orientierung in der Familie sollte auch ihn später erreichen. Doch erst erlebte er Krieg und Flucht, lernte von russischen Soldaten, nach Überrollen der Front sein erstes russisches Wort „Kartoschka“. Er schloss die 8-klassige Schule ab, hatte sie aber durch die Kriegswirren nur sieben Jahre besuchen können. Dem mangelnden Geld in der Familie war es geschuldet, dass er schnell lernen musste mit seinen Händen Geld zu verdienen. Er lernte im LOWA Waggonbau Görlitz Stahlbauschlosser, wollte aber mehr, wollte „raus in die Welt“. Das gelang ihm über die Stationen Elbewerft Dresden-Übigau, Kranbau Leipzig und Warnowwerft. Als 1954 intensiv von der Kasernierten Volkspolizei für den Dienst geworben wurde, sah er hier ein Sprungbrett, wurde 1954 Soldat. Eigentlich aber wollte er zur See fahren. Als er hörte, Funker werden gesucht, bewarb er sich, wurde genommen. In nur ¼ Jahr lernte je 10 Stunden am Tag das Mosealphabet, kam auf ein Küstenschutzboot in Warnemünde als Funker und wurde später in Rostock als Funkstellenleiter eingesetzt. Die sechs Jahre Militärdienst nutzte er, um in dieser Zeit seine Hochschulreife nachzuholen – Voraussetzung für sein Studium Mathematik und technisches Zeichnen mit Lehrbefähigung für Klasse 10. Nun eingesetzt in einer Polytechnischen Oberschule in Rostock, wollte er sich mit Erreichtem noch lange nicht zufrieden geben und absolvierte ein weiteres Studium für die Erlangung der Lehrbefähigung für Klasse 12. 1972 schloss er als Diplom-Lehrer ab, bewarb sich bei der Deutschen Seereederei als Lehrer. Gute Voraussetzungen waren hierbei seine militärischen Erfahrungen, seine beruflichen Erfahrungen im Stahlschiffbau und seine pädagogische Qualifikation als dipolmierter Fachlehrer für Mathematik und Technisches Zeichnen für die Sekundarstufe II. So wurde er eingestellt, war leitender pädagogischer Offizier auf einem Lehr- und Frachtschiff und danach Abteilungsleiter für theoretische Berufsausbildung und Abiturausbildung an der Betriebsschule „Flotte August Lütgens“. Er erinnert sich an diese Zeit als an seine schönsten Berufsjahre. Mit der Wende fand er zurück in die Volksbildung, wurde stellvertretender Schulleiter eines Gymnasiums. Das Studium zum Ingenieur für Schiffmaschinen- und Anlagenbau, an der Universität Rostock das er mit Auszeichnung absolvierte, gab ihm weiteres Rüstzeug für seine Lehrertätigkeit in der Handwerkskammer und für seine Tätigkeit als Vorsitzender einer Prüfungskommission der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. Er hat nie aufgehört zu lehren und selbst zu lernen. Er erhielt Auszeichnungen wie die Titel Oberlehrer und Studienrat und die Ehrennadel der Handwerkskammer in Bronze. Die emotionalste Auszeichnung aber war der Besuch von ehemaligen Schülern anläßlich seines 75. Geburtstages. Heute tritt er etwas ruhiger und freut sich über die gemeinsame Zeit mit Partnerin Roswitha Freyberg.