MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Johanna Morgner

Wenn der Reichtum aus Urenkeln und Honig besteht

Johanna Morgner

Weberin
Postmitarbeiterin
08373 Glauchau

Ihr Geburtshaus steht auf der anderen Straßenseite in Sichtweite, Johanna Morgner ist der Stadt, in der sie 1934 das Licht der Welt erblickte, treu geblieben. Mutter und Vater arbeiteten als Aufleger in der örtlichen Weberei. Die junge Johanna besuchte die Schule bis zur 8. Klasse, doch schon in zwei Jahren davor, in den Zeiten der knappen Lebensmittel durch Krieg und Nachkriegszeit, half sie beim Bauern, um nicht Hunger zu leiden. Die familiären und örtlichen Verhältnisse ermöglichten nur eine Lehre in der Weberei. Zwei Jahre arbeitete sie nach dem Berufsabschluss als Weberin noch einmal beim Bauern, wurde dann wieder in der Textilindustrie bei der Zurichtung und Konfektionierung von Stoffen tätig. Die Heirat 1954 und das Familienleben setzten neue Akzente. In relativ schneller Folge wurden die Kinder Reinhard, Jutta, Andreas und Jens geboren und brauchten ihre Aufmerksamkeit. Nur beschränkt, wie saisonweise in der Ziegelei, konnte sie Arbeit aufnehmen. Als der jüngste Sohn vier Jahre alt war, fand sie neue Aufgaben bei der Deutschen Post. Briefe und Zeitungen bei Wind und Wetter zuzustellen, Pakete bis in den fünften Stock zu tragen und am Heiligabend, die Vorfreude der Menschen ahnend, noch bis in den Abend hinein auszuliefern, war Anstrengung, verschaffte aber auch wunderbare Momente durch glückliche Empfänger. Johanna Morgner half bei der Post aus, wo sie gerade gebraucht wurde, beim Verlauf am Kiosk, bei der Sortierung von Sendungen. Sie kannte durch ihre Tätigkeit nun jeden Winkel ihrer Heimatstadt, doch war 1990 Schluss, die Post wurde umstrukturiert, Johanna Morgner zeitig in Rente geschickt. Ein Einsatz im Dezember 1990, bei dem sie als Verkäuferin auf dem erzgebirgischen Weihnachtsmarkt im fernen Köln agierte, verschaffte ihr glückliche Wochen. Mobiler Verkauf wurde für sie und ihren Mann nun zur neuen sinnstiftenden Betätigung. Auf den Trödelmärkten der Umgebung unterwegs, gehörte auch der Honig aus der von ihrem Mann Rudi als Nebenerwerb betriebenen Imkerei zum Sortiment. Mit ihrem Mann, der beim VEB Schachtbau Nordhausen und deshalb viel auf Montage im Bergbau unterwegs war, freut sich Johanna Morgner an sieben Enkeln und dreizehn Urenkelkindern. Die „Eiserne Hochzeit“ ist in Sicht. Viele Jahre sang sie im Chor der Volkssolidarität, erfreute mit ihrer Stimme und der Gitarre bei erzgebirgischen Liedern zur Adventszeit zehn Jahre in einem Hotel und später die Nachbarschaft, wenn sie zum Lichterabend einlud. In Heidelheim im fränkischen Vogtland steht ihr Wagen fürs Dauercamping, einst für zwei Gläser Honig erworben. Als ihrem Mann die Bienenwaben gestohlen wurden, wurde Familie Morgner 2016 sogar zur für sie allerdings weniger erfreulichen Nachricht in den Medien.
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