MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Karl "Charlie" Montag

Entschlossen in wechselhaften Jahren

Karl "Charlie" Montag

Hochbauingenieur
99099 Erfurt

Geboren wurde Karl Montag in Berlin. Doch statt Einschulung kamen 1943 Bombennächte. Da ging es erst einmal zur Großmutter nach Pommern. 1947 wurden sie aus dem nun zu Polen gehörenden Landstrich ausgesiedelt, kamen nach Thüringen. Tröbsdorf und Ulla hießen die ersten Stationen, wo sie wenig Willkommen erfuhren und hungerten. Die Großmutter väterlicherseits nahm sie in Büttstedt im Eichsfeld auf. Endlich konnte auch die Schule besucht werden. 1950 schon ging es mit der Mutter nach Wallichen, den Abschluss der 8. Klasse konnte er 1953 an der Zentralschule im Nachbarort Vieselbach erreichen. In Erfurt erlernte er bei einem privaten Meister das Maurerhandwerk, legte seine Gesellenprüfung 1955 ab, im selben Jahr als die Familie nach Erfurt zog. Nach der Lehre begann er beim VEB Bau-Union, wo es besseren Verdienst gab. An der Abendschule holte er 1956–1960 die 9. bis 12. Klasse nach, hatte nun das Abitur in der Tasche. Da war die Mutter schon im fernen Berlin (West). Karl fand bei einer Witwe mit ihrem 3-jährigen Sohn neuen Kontakt, eine neue Familie, die ihn bis heute trägt, auch wenn er inzwischen die 96-jährige zweite Mutter pflegt, eine Bindung, die beide trug. Das dreijährige Studium an der Ingenieurschule beendete er 1963 als Hochbauingenieur. Beim Kreisbaubetrieb Arnstadt fand er als Technologe erste Herausforderungen, bereits nach einem Monat wurde er als Bauleiter verantwortlich eingesetzt. Dem Arnstädter Unternehmen und seinen Kollegen blieb er treu, auch wenn Umstrukturierungen dazu führten, dass sie mal dem Landbaukombinat Langensalza (sie bauten Ställe u. ä.), dann dem Hochbaukombinat Nordhausen (Industriebauten) und letztlich 01.01.1974 dem Wohnungsbaukombinat Erfurt (nun vor allem Sportbauten und Umformstationen) zugeordnet wurden. Nicht alle Bauwerke, die Ingenieur Montag errichten half, haben die Zeiten überstanden. Nicht immer konnte er mit Termintreue (Arbeitskräftemangel) und mit dem Material bauen, das wünschenswert gewesen wäre. 1988 war die wirtschaftspolitische Misere in der DDR und daraus folgende Demoralisierung für viele wie Karl Montag zur Belastung geworden. Er kündigte und engagierte sich wie schon zuvor und im Prinzip bis heute bei der Volkssolidarität in der sozialen Arbeit für Senioren. Vom 01.01.1989–1992 konnte er hauptberuflich als Hauswirtschaftspfleger ältere Mitmenschen verwöhnen. Zivildiensttuende führten zur Entlassung und er ging in den Vorruhestand. Zwanzig Jahre erbauliche Gartenarbeit mit dem Bau eines Gartenhauses wurden 2013 und 2014 vom Darm- und Blasenkrebs beendet.
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