MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
PD Dr. med. Manfred Mohorn
Eine unglaubliche Geschichte
Internist, Lungenfacharzt, Privatdozent
07743 Jena
Das Leben von Dr. Manfred Mohorn ist begleitet von einer Vielzahl an Ereignissen, jedoch auch von einer ganz unglaublichen Geschichte.
Geboren am 01.03.1932 in Bodenbach/Sudetenland, wurde die Familie 1945 vertrieben. Vorübergehende Unterkunft bot eine Tante in Heidenau. Zum Schlafen blieb allerdings nur der Fußboden, zusammen mit Tante und Tochter und zwei Bekannten, übrig. Angekommen in Herrschdorf bei Pösneck, diente ein Ziegenstall ohne Fenster als Unterkunft, den er so gut wie möglich renovierte und kalkte.
Manfred Mohorn setzte den Schulbesuch fort und legte 1950 das Abitur ab. Vater war selbstständiger Konditor – für DDR-Verhältnisse Grund genug, den Sohn nicht zum Medizinstudium zuzulassen. Möglich war jedoch Pädagogik. Ein Jahr lang studierte er Pädagogik. Eine im gleichen Haus lebende Mitschülerin studierte Medizin. Er führte mit ihrer Hilfe ein illegales Doppelstudium durch.
Irgendwie gelang es der Freundin, seien Namen in die Unterlagen der Medizinischen Fakultät hinein zu schmuggeln. Somit bestand für Manfred Mohorn die Möglichkeit, das Vorphysikum abzulegen und Medizin zu studieren. Er musste gleich in das dritte Semester einsteigen.
Während der Pflichtassistenz in Greiz durchlief er verschiedene Stationen des Krankenhauses, wurde Landarzt in Kaulsdorf-Eichicht sowie später in Leutenberg.
Man holte ihn an das Krankenhaus Weida, an welchem er als Assistent in der Chirurgie tätig wurde.. An der medizinischen Poliklinik Jena unter Prof. Kleinsorge bildete er sich in innerer Medizin weiter. Er promovierte 1961 und erhielt vier Jahre später seinen Facharztabschluss für Innere Medizin. Dr. Mohorn habilitierte sich und widmete sich seiner zweiten Facharztausbildung zum Lungenspezialisten.
Bis zur Wende leitete er die Abteilung Pulmologie, später Pneumologie der Friedrich-Schiller-Universität, setzte die Leitung in kommissarischer Form bis 1996 fort und engagierte sich in verschiedenen Gremien.
Seit Mitte der 80er Jahre Dozent, hielt er Vorlesungen und Weiterbildungsveranstaltungen ab, betreute Diplomanden, Doktoranden und Facharztanwärter, hielt 225 Vorträge und veröffentlichte 61 Publikationen. Darüber hinaus war Dr. Manfred Mohorn über viele Jahre Leiter der Untersuchungs- und Impfstelle für Tropenreisende der Universität Jena und Tauchsportarzt des VEB Carl Zeiss Jena.
1997 begab sich der vielfach Geehrte aus Altersgründen in den Ruhestand. Vorträge oder tageweise Vertretung als Lungenfacharzt übernimmt er bis heute.
Dr. med. Manfred Mohorn ist mit der promovierten Philologin Gabriele Mohorn-Staubwasser verheiratet, die als Lektorin ebenfalls an der Universität beschäftigt war.