MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Hanna Mitschke
40 Jahre am Fahrkartenschalter
Reichsbahnangestellte
Str. der Freundschaft 5
08485 Lengenfeld
Fon: 037606 / 2513
Christlich erzogen, war ihr Glaube ein Halt bei allen Wechselfällen des Lebens. Die Tochter eines selbständigen Stickers, im vogtländischen Lengenfeld 1920 geboren, wurde mit drei weiteren Geschwistern groß, die nun alle schon vor ihr für immer gegangen sind. Nach dem Besuch der Schule (1926/34) mit dem Abschluss der 8. Klasse wurde sie für zwei Jahre Laufmädchen bei einer reichen Familie, besuchte dazu die Berufsschule. Dann wurde sie in der Weberei der Textilfirma Wentzel angelernt, durchsuchte die produzierten Stoffe auf Fehler. Bessere Verdienstmöglichkeiten fand sie als Stepperin bei der Fa. Wagner in Rodewisch. 1938 verpflichtete sie der Arbeitsdienst in eine Lübecker Munitionsfabrik, der Krieg war nicht mehr fern. Eigentlich hatte sie auf einen Einsatz im Rheinland gehofft, eine Gegend, von der sie ihr Leben lang träumen sollte. In Lübeck besuchte sie jener Herbert aus Chemnitz, den sie einst bei einem Kraft-durch-Freude-Urlaub kennengelernt hatte, der ihr per „Fleurop“ Rosen geschickt hatte. Er war nun Soldat, pendelte zwischen West- und Ostfront. 1942 heirateten beide, sie kehrte nach Lengenfeld zurück, brachte im selben Jahr Tochter Ursula zur Welt. 1943 fiel Herbert in Italien im Krieg gegen Partisanen. In der Nachkriegszeit arbeitete die verwitwete Frau Zimmerle als Schneiderin, hatte 1950 überraschend die Möglichkeit, bei der Deutschen Reichsbahn anzufangen. Der Fahrkartenschalter des Bahnhofs Lengenfeld wurde für vierzig Jahre ihre Arbeitsstelle, sie erlernte das Morsealphabet, mit dem damals noch gearbeitet wurde. Aber mit Freude und Engagement stellte sie sich vor allem den Ansprüchen der Reisenden, kompetent beim Ausstellen der Fahrausweise wie bei der Auskunft über Routen und Anschlüsse, wurde Spezialistin im Wälzen von Kursbüchern. Mit siebzig Jahren ging sie 1990 in den Ruhestand.
Seit 1959 war sie mit Josef Mitschke verheiratet, der als Fahrdienstleiter bei der Bahn arbeitete, schon 1986 verstarb. Seitdem lebt Hanna Mitschke trotz des inzwischen hohen Alters allein, ist stolz auf ihre Selbständigkeit. Zu ihrer Tochter sind zwei Enkelkinder und zwei Urenkel Bereicherung geworden.
Ein erfülltes Leben war Hanna Mitschke beschert, nur mit dem Rheinland ist es nie etwas geworden.