MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Irene und Dieter Michaelis
Denn die Väter konnten ihnen keinen Halt geben
Handelskauffrau
Industriemeister
Gartenstr. 34
09648 Mittweida
Als Irene Michaelis 1939 geboren wurde, war das Haus in der Gartenstraße gerade neu gebaut, doch ihr Vater, gelernter Zimmermann, sollte wenig Freude daran haben, er fiel im Krieg. Die Mutter starb bereits an Irenes 15. Geburtstag. So war diese zeitig auf sich allein gestellt, fühlte sich dazu für den gesundheitlich beeinträchtigten Bruder verantwortlich, stand mit siebzehn Jahren auf eigenen Beinen. Sie hatte die Pestalozzischule von Mittweida von 1945 bis 1953 besucht, absolvierte eine zweijährige Lehre als Näherin bei der Firma Jacob. Sie blieb, bis sie einundzwanzig war, dann legten orthopädische Beschwerden den Wechsel in die Verwaltung nahe. Diese Möglichkeit fand sie bei der Großhandelsgesellschaft (GHG). Als 1966 Sohn Heiko geboren wurde, auch er anfangs sehr kränklich, blieb sie drei Jahre zu Hause, dann begann sie halbtags bei der Stadtverwaltung von Mittweida im Bereich Handel und Versorgung. Auf der Abendschule holte sie dazu einen Abschluss Handelskaufmann nach. In den letzten Jahren im städtischen Bauamt eingesetzt, ging sie 1995 in den Ruhestand.
In Zschöppichen (seit 1973 Stadtteil von Mittweida) kam Dieter Michaelis im Jahr 1938 zu Welt. Mit drei Schwestern wuchs er in einer von der Landwirtschaft geprägten Familie auf, nur wurde auch sein Vater ein Opfer des Weltkrieges. Noch versuchte die Mutter mit dem Anwesen über die Runden zu kommen, doch 1949 musste das Land verpachtet werden (und die Altschulden wurden auf den minderjährigen Sohn als vermutlichem Erben übertragen). Anfangs besuchte der junge Dieter die Schule von Krumbach, schloss die 8. Klasse dann in der Stadt ab. In der Papierfabrik von Schönborn-Dreiwerden, wo inzwischen auch die Mutter Arbeit gefunden hatte, nahm er eine Lehre als Betriebsschlosser auf, fand schon in jungen Jahren Freude an kreativen Lösungen. Dann trieb ihn Abenteuerlust 1955 gen Westen. In der Aachener Gegend fand er Arbeit im Steinkohlebergwerk. Doch packte ihn nach einem Jahr das Heimweh. Ab Juli 1956 wurde der VEB Wälzlagerkäfigwerk Mittweida zum Arbeitgeber. In den 42 Jahren dort entwickelte sich Dieter Michaelis, anfangs als Werkzeugmacher eingestellt, vom Gruppenleiter in der Technologie, zum Brigadier im Werkzeugbau bis zum für alle Gewerke zuständigen Hauptmechaniker. Dazu hatte er einen Abschluss als Industriemeister Metall machen können. Mit einem Kollegen konnten auch zwei patentreife Entwicklungen vorgelegt werden. 1997 ging er in Rente, das Werk hieß da schon einige Jahre MPT Präzisionsteile GmbH. Irene und Dieter Michaelis waren 1960 die Ehe eingegangen. Während sie ihren Lieblingsplatz in der Küche beim Ausprobieren neuer Rezepte hatte und hat, war und ist für ihn der Garten mehr als ein Hobby. Lange Zeit, rund fünfzig Jahre, suchte er auch nach dem Anglerglück.