MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Herbert Michaelis
Herz für Grün
Sigrid Buchwald
Meister der chemischen Industrie
Sekretärin
Tornauer Str. 5
06842 Dessau
Fon: 0340 / 8826622
Seit dreißig Jahren gehen Sigrid Buchwald und Herbert Michaelis gemeinsam durchs Leben. Damals war sie gerade verwitwet, seine beiden Ehen hatten nicht gehalten, denn die Schichtarbeit und die Nebentätigkeiten belegten zu sehr seine Zeit. Dann wurde nach kurzer Zeit seine Wohnung (die ihm 1980 durch die Arbeiterwohnungsgenossenschaft AWG zugesprochen worden war) zum Zuhause für beide. Sigrid Buchwald wurde 1933 in heutigen Dessauer Stadtteil Mosigkau geboren. Hier ging sie zur Schule, in Mosigkau wurde sie getauft, konfirmiert und mit Segen der Kirche 1956 verheiratet. Nach dem Abschluss der 8. Klasse wurde sie zur Schneiderin ausgebildet, aber dann fand sich im VEB ABUS Maschinenfabrik und Eisengießerei Dessau die Stelle fürs Leben. In der Abteilung Technologie war sie Schreibkraft und gute Seele, belegte dazu an der Volkshochschule einen Kurs im Maschineschreiben. Vierzig Jahre, bis nach den Umstrukturierungen mit dem Ende der DDR das Aus kam, blieb sie dem Betrieb treu. Dann ging sie in den Vorruhestand. 1957 und 1967 wurden ihr und ihrem 1986 verstorbenen Mann die beiden Töchter Bärbel und Viola geboren, die den Familienkreis inzwischen um sechs Enkel und das erste Urenkelkind bereichert haben. Als die Kollegen meinten, sie dürfte nach dem Tod ihres Mannes nicht allein bleiben, und für sie eine Annonce aufgaben, trat Herbert Michaelis in ihr Leben. Er wurde 1932 in Magdeburg geboren. 1937 fand sein Vater bei den Junkerswerken in Dessau Arbeit und in der firmeneigenen Siedlung in Waldersee Wohnung für die Familie. Hier besuchte Herbert Michaelis die Schule, hütete nach dem Abschluss der 8. Klasse anderthalb Jahre Kühe und fing beim Bauern an, denn dort gab es wenig Geld, aber genug zu essen. Fünf Jahre blieb er dort, entschied sich dann für die Industrie und wechselte zum VEB Gärungschemie Dessau. Die schwere und von Umweltgiften belastete Arbeit schadete seiner Gesundheit weniger, als zu erwarten gewesen wäre. Nur ein Unfall in jungen Jahren erschwerte das Laufen bis heute. In der Erwachsenenqualifizierung wurde er zum Chemiefacharbeiter, konnte sich später noch zum Meister entwickeln. Wegen der Umweltlasten war der Betrieb 1990 zum Untergang verurteilt. Herbert Michaelis ging in den Vorruhestand. Nun fand er eine neue Berufung. Am Gärtnerischen seit je interessiert, hatte er sich schon vorher um die Anlagen des Genossenschaftsgrundstücks gekümmert. Nun kümmerte er sich um Flächen, Pflanzen und Bäume, die niemand beachtete – an der Bushaltestelle, der Straße und im Hinterhof. Man nannte ihn wegen diesem außergewöhnlichen Engagement für die Allgemeinheit liebevoll den „Guerilla-Gärtner.“