MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Gerhart Berthold

Vielseitiger Praktiker

Gerhart Berthold

Rentner
Am Hohen Hain 11 c
09212 Limbach-Oberfrohna
Fon: 03722 / 816964

Der Start ins Leben konnte schwieriger nicht sein. 1937 kam Gerhart Berthold in Chemnitz zur Welt, nur gab ihn die Mutter gleich ins Kinderheim. Zum Glück fand er dann sehr gute und liebevolle Pflegeeltern, die ihn mit ins Mittelsächsische nahmen. Wichtige Jugendjahre verbrachte er in dem kleinen Ort Glaucha (heute Ortsteil von Zschepplitz). Er besuchte acht Jahre die Schulen in den Dörfern der Umgebung. Erste Berufsjahre führten ihn als ungelernten Arbeiter in die Lampenfabrik von Döbeln. Dort erwies sich bald sein praktisches Talent. Manche Verbesserungen konnte er vorschlagen, die vom Chef akzeptiert wurden. Als er zum VEB Landmaschinenbau „Rotes Banner“ Döbeln wechselte, hatte er einen Abschluss als Dreher im Sinn, doch so richtig gefiel es ihm nicht in dieser Firma. Er meldete sich, noch nicht achtzehn Jahre alt, freiwillig zum Dienst bei der Kasernierten Bereitschaftspolizei. Zu Beginn seiner letztendlich fünf Dienstjahre war er in Bautzen und bei der Hundestaffel in Erfurt eingesetzt, konnte dann als Autoelektriker in Chemnitz-Ebersdorf sein Geschick einbringen. Wieder Zivilist versuchte er es bei der Maschinen-Traktoren-Station im Stadtteil Borna seiner Geburtsstadt Chemnitz (die dazumal Karl-Marx-Stadt hieß). Doch nun begannen die Wanderjahre. Fast regelmäßig, aller drei oder vier Jahre, zog es ihn zu anderen Arbeitsstellen. Er arbeitete im Straßenbau, in der Textilindustrie als Kettenwirker (ebenfalls neu angeeignete Fertigkeit), beim VEB Fettchemie in Mohsdorf, als Kesselreiniger oder als Meliorationsbauer. Technisch interessiert, nutzte er alle Möglichkeiten sich weiter zu qualifizieren. Auto-, LKW-, Busführerschein und die Berechtigung, Krane zu bedienen, all dies konnte er sich erarbeiten. Die Galvanik in Hartmannsdorf erlebte ihn, dann ging er zur Gießerei (vormals Flender AG) in Wittgensdorf. Nach dem Ende der DDR und darauf folgenden wirtschaftlichen Umstrukturierungen entfiel dieser Arbeitsplatz. Gerhart Berthold folgte einem Kollegen, der eine Reinigungsfirma gründen wollte. Als Brigadier verantwortete er die Nachtschicht, die einen großen Bürokomplex betreute. Mit 55 Jahren wurde er entlassen, fand neue Aufgaben als Hausmeister eines Baubetriebs. Auch im Privatleben bestimmte der Wechsel sein Leben. Drei Ehen, drei Kinder, vier Enkel sind die Bilanz. Es freut ihn, dass alle drei Söhne, Uwe, Mike und Ronny, solide handwerkliche Berufe ergreifen konnten. Gerhart Berthold ist immer noch in eigener Werkstatt zugange und sammelt gern Pilze. Dazu kümmert er sich um den großen Garten, der einst schon verkauft war, als er mit seiner dritten Lebenspartnerin die Ausreise in die Bundesrepublik plante, die durch die Ereignisse des Herbstes 1989 nicht mehr notwendig schien, so dass er später den Garten zurückkaufte.
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