MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Siegfried Meißner
Mit logischem Denken, Organisationstalent und Begeisterungsfähigkeit das Leben gemeistert
Beitscheidstr. 22
06886 Lutherstadt Wittenberg
Fon: 03491 / 419026
Wäre es nach den Ferienerlebnissen des 1945 geborenen Siegfried Meißner gegangen, wäre er Bauer geworden und hätte er nach dem Abitur sofort studieren können, vielleicht etwas mit Luftfahrt in Angriff genommen. Doch die Studienplätze waren rar, er nicht bereit dafür eine längere Wehrdienstverpflichtung einzugehen. Somit blieb ihm vorerst nur, einen Beruf zu lernen (BMSR-Mechaniker im VEB Stickstoffwerk Piesteritz). Dass seine Einberufung zum Grundwehrdienst danach nach Wolfen erfolgte, passte gut, denn der junge Mann konnte so in der Nähe seiner Jugendliebe Karin aus der 11. Klasse bleiben, mit der bis zu ihrem Tod 45 Jahre glücklich verheiratet war. Aber, er konnte auch seiner sportlichen Leidenschaft – dem Volleyball – weiter frönen. Er spielte zuvor und danach bei Einheit Wittenberg in der Bezirksklasse. Nach der Armeezeit absolvierte Siegfried Meißner von 1967–1970 ein Studium an der Ingenieurschule Leipzig, schloss als Ingenieur für Automatisierungstechnik ab. Mit einem Arbeitsvertrag bei Robotron Neubrandenburg und für die Ehefrau beim BMK Neubrandenburg in der Tasche verbrachte das Ehepaar einen letzten Urlaub über das Gummiwerk Elbe. Mit einer Wohnraumzuweisung konnte man seine Frau und ihn überzeugen in der Heimatstadt im Gummiwerk zu arbeiten. Die eigenen vier Wände waren ein wichtiger Faktor in der damaligen Zeit, die von mehrjährigen Wartezeiten bei der Wohnraumvergabe geprägt war. Siegfried Meißner arbeitete in der Forschung und absolvierte in dieser Zeit ein Fernstudium an der Technischen Universität Dresden zum Diplom für Technische Kybernetik. Er begleitete den Aufbau eines neuen Werkteils für Rohgummimischungen – ein 120-Millionen-Projekt – und war verantwortlich für die Planung der technischen Ausrichtung und die Ausbildung an den Import-Anlagen, nachdem er selbst mehrere Monate in der BRD zur Qualifikation für diese Aufgabe war. Frisch verheiratet, ohne Kind, mit Verwandtschaft in der BRD und als Nicht-Genosse ließ man ihn mit staatlich bereitgestellten 20.000 D-Mark die Reise antreten. Zurückgekehrt, wechselte er aus der Forschung in den Betrieb hinein, beschäftigte sich fortan mit Verfahrenstechnik. Mit Beginn der 80er Jahre erhielt er als Werkleiter die Verantwortung für den gesamten Standort mit 600 Beschäftigten übertragen. Seine erfolgreiche Arbeit drückte sich nicht nur in der Auszeichnung als Aktivist und mit dem „Banner der Arbeit“ (Kollektivauszeichnung) aus, sondern in der Wendezeit vor allem darin, dass die Werktätigen des Betriebes ihm ihr Vertrauen ausdrückten, ihn 1990 zum Geschäftsführer der Gummiwerke Elbe GmbH wählten. Gemeinsam mit einem weiteren Geschäftspartner war er nun bis 1993 mit der Auflösung des Gummiwerkes und dessen teilweiser Privatisierung betraut. Danach fungierte er als Werkleiter der Polymer-Technik Elbe Wittenberg GmbH, baute 1996–1999 in der Tschechnien ein Gummiwerk mit auf, bevor er in den Betrieb nach Wittenberg als Werkleiter zurückkehrte. 2005–2008 begleitete er den Aufbau eines Werkes in China, ging dann, nach Jahrzehnten intensivster Arbeit, in den Ruhestand, um mehr Zeit mit seiner erkrankten Frau zu verbringen. Mit Radfahren, Wandern Fitnessstudio-Besuchen und Teilnahme am Heimatverein-Leben gestaltet er heute seine freie Zeit und ist zufrieden, in seinem Leben Spuren hinterlassen zu haben. Er kommt alleine zurecht und wünscht sich, dass das noch lange so bleibt, denn Unabhängigkeit ist ihm wichtig.