MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Jutta und Karl-Heinz Melle
Die Weltreise ist ihnen zu wünschen
Technische Zeichnerin
Meliorationsingenieur
Zum Schmelitz 20
07407 Rudolstadt/OT Eichfeld
Ehepaar Melle ist dem Reisefieber verfallen. Schon zu DDR-Zeiten bereisten sie alle Länder, die möglich waren. Besonders schöne Erinnerungen streifen Mittelasien. Mit dem Moskwitsch ging’s in den Kaukasus. 11.000 km wurden zurück gelegt. Gebucht über ein Reisebüro der DDR, kostete die Reise inklusive Unterkünften und Bezin-Bons lediglich 550 DDR-Mark.
Leider kämpft Karl-Heinz Melle, geboren am 22.02.1936 in Presswitz, heute mit gesundheitlichen Problemen. Dennoch ist es größter Wunsch, gemeinsam mit seiner Frau noch eine Weltreise unternehmen zu können.
Sein Geburtsort wurde im Zuge des Staudammbaus Hohewarte abgerissen und liegt etwa 1 km hinter der Mauer in einer Tiefe von 30 m. Einen neuen Hof, die Eltern waren Landwirte, erhielt die Familie 1937 in Rockendorf.
Seine Lehre zum Landwirt absolvierte der Sohn im elterlichen Betrieb, arbeitete weiterhin dort und ging 1957 zur LPG.
Ab 1960 widmete sich Karl-Heinz Melle seinem Studium der damals neu gegründeten Fachrichtung „Melioration“.
Im Anschluss wechselte er als Bauleiter zum VEB Meliorationsbau Gera und nahm 1975 einen letzten beruflichen Wechsel zur Wasserwirtschaft vor.
Wiederum als Bauleiter beschäftigt, baute seine Brigade Stützmauern an Flussläufen, Wehre, beseitigte oder verfüllte Ausspühlungen und nahm sich Hochwasserschäden an, so u. a. des Saale-Hochwassers 1994. In Volkstedt z. B. hat es die Brücke über der Saale total weg gespült.
Bis auf ihn selbst wurden zur Wende all seine Mitarbeiter entlassen. Nunmehr mit Fremdfirmen arbeitend, oblagen ihm Koordination und Kontrolle sämtlicher Arbeiten. Im Februar 2001 ging Karl-Heinz Melle in Rente.
Ehefrau Jutta, 1954 in Rudolstadt geboren, lernte bei Carl Zeiss Maschinenbauzeichner. Anschließend fuhr sie mit einer Freundin zum Gleisbaubetrieb in Berlin und unterschrieb heimlich einen Arbeitsvertrag, was ihre Mutter damals erzürnte.
Untergebracht in einem örtlich oft umgesetzten Bauzug, arbeitete sie in Verwaltung, Materialwirtschaft und Lohnbuchhaltung.
Des 3jährigen Zigeunerlebens müde, begab sich Jutta Melle 1975 in die Heimat zurück, erinnert sich jedoch einer Zeit, die sie nicht missen möchte.
Sie begann bei der Oberflussmeisterei der Wasserwirtschaft, Abteilung Hydrologie, war mit Wasserstandswerten und Pegelmessungen beschäftigt und erlebte 1992 mit Entlassung das Aus.
Ein Lehrgang galt Finanzen, Steuerrecht und Buchhaltung. Sie schulte zum CAD-Zeichner um und fand dennoch keine Arbeit mehr.
Ausgelastet ist Jutta Melle trotz allem. Ihre Mutter, die alles Frühere natürlich lange verziehen hat, lebt bei ihr und bedarf der Unterstützung ihrer Tochter.
Ein lukrativer Nebenerwerb zu DDR-Zeiten, aber auch viel Arbeit machten 1 ha Landwirtschaft, 10 ha Wald, 4 Bullen, 2 Schweine und Kleinvieh. Anfang der 90er Jahre war Schluss mit Bullenmast, das letzte Schwein wurde 2001 geschlachtet. Seitdem gilt es nur noch das 3000 m2 große Anwesen zu erhalten. Dabei unterstützen die Kinder tatkräftig, obwohl sie inzwischen von München bis Hamburg verstreut sind. Sie verbringt trotzdem viel Zeit mit ihnen - den Kindern Bianca, Martin und Daniel.