MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gisela Marthaler
„Der Beruf ist das Rückgrat des Lebens.“ (Friedrich Nietzsche)
Leinwebergasse 8
06773 Gräfenhainichen
Fon: 034953 / 38014
1946 als Tochter eines selbstständigen Kfz-Meisters und einer Kontoristin in Gräfenhainichen geboren, fühlt sich Gisela Marthaler noch heute in der Region sehr wohl. „Viel hatten wir nicht, aber wir sind ausgekommen und ich musste nichts entbehren“ berichtet sie aus ihrer behüteten Kindheit. Die für ihren Jahrgang noch mögliche Entscheidung zu einer 8- oder 10-klassige Schulbildung fiel zugunsten der 10. Klasse. Gerne wäre sie Krippenerzieherin geworden, doch die vorhandene Stellensituation ließ das nicht zu. So entschied sie sich dazu Verkäuferin zu werden. „Von einem Autoschlosser die Tochter kommt nicht in den Lebensmittelbereich, die geht in die Industriewaren“, begründete man ihre fachliche Ausrichtung und „so kam ich in diesen Bereich, durfte dann Kinderwagen zusammenbauen und so....“, lacht Gisela Marthaler heute in Erinnerung an ihre Lehre bei der HO (1963–1965 / Handelsorganisation). Hier blieb sie bis 1968 tätig. Nach ihrem Wechsel zum Konsum (Beginn als „Springer“ in Gräfenhainichen und eingesetzt nach Bedarf in verschiedenen Filialen) war sie dort durchgängig angestellt bis die politische Wende in der DDR auch im Handel für Veränderungen sorgte. Dem neuen Konkurrenzdruck hielt das Unternehmen nicht stand. 1992 musste Konkurs angemeldet werden. Gisela Marthaler hatte sich 1972–1974 zur Verkaufsstellenleiterin qualifiziert und war als solche tätig als 1992 das Aus kam. „Schade um die schöne Zeit. Wir haben viel und gerne gearbeitet. Kästen schleppen war z. B. eine sehr schwere Arbeit aber man konnte sich immer auf einander verlassen. Alle zogen mit, waren hilfsbereit und verantwortungsbewusst“ erzählt Gisela Marthaler. Und von der Zeit danach: „Dann kamen die Wessis und waren der Meinung, sie müssen uns zuerst mal das Arbeiten beibringen. Ich musste dann zur Einarbeitung und habe dann bei Penny noch als stellvertretende Marktleiterin gearbeitet. Die Umsätze waren riesig, jeder wollte die Waren aus dem ersten neuen Discounter haben. Früh um 6.00 Uhr war ich im Laden und abends um 23.00 Uhr kam ich nach Hause. Der Umgangston und die Umgangsformen des neuen Marktleiters waren gewöhnungsbedürftig.......“ Die Alleinstellung als Discounter der Region hielt nicht lange an. Mit Druck auf das Kollegium erfolgte „freiwillige“ Stundenbeschränkung bei den Kollegen. Die Angst den Arbeitsplatz sonst ganz zu verlieren half entsprechende Entscheidungen einzufordern. Gisela Marthaler wurde arbeitslos, absolvierte 1997 eine Weiterbildung für den Handel, fiel trotzdem bald in die Arbeitslosenhilfe. Keine leichte Zeit, denn auch Ehemann Richard (Maurer und nach der Wende Hausmeister) war zeitweise arbeitslos. Miteinander haben sie jedoch all das bewältigt. 1965 hatten die beiden geheiratet. Nach vielen gemeinsamen Jahrzehnten verstarb Richard Marthaler im Jahr 2017. Geblieben sind die drei gemeinsamen Kinder Steffen (geb. 1965, E-Lok-Fahrer, Maurer, Anlagenfahrer), Simone (geb. 1967, Krippenerzieherin, Arzthelferin) und Yvonne (geb. 1976, Hotelfachfrau- Hotel-Betriebswirtin, freiberufliche Logopädin), die indessen für fünf Enkelkinder gesorgt haben. Ostern, Weihnachten, Geburtstage sind heute stets willkommene Anlässe für Familientreffen. Seit 2004 ist Gisela Marthaler Rentnerin und kann diese Zeiten also unbeschwert genießen. Ihre Familie ist Ihr Stolz und ihr Glück, sagt sie dazu. Und wenn nun noch die Gesundheit mitspielt, das Knie wieder einsatzfähig wird, stellt sie sich noch einen langen Lebensweg vor.