MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Brigitte Marusczyk
Vom Land in die Industrie und zurück
Technologin
Riesaer Str. 28
04720 Zschaitz-Ottewig OT Goselitz
Im mittelsächsischen Ottewig wurde sie 1940 geboren, wuchs mit einem drei Jahre jüngeren Bruder auf. Lange fehlte der Vater, er kam erst 1949 aus der Kriegsgefangenschaft zurück, arbeitete danach auch auswärts im Bergbau der SDAG Wismut. Im Heimatort, die letzten Jahre in Lüttewitz besuchte die junge Brigitte die Schule, schloss 1954 mit der 8. Klasse ab. Ihre Lehre begann sie im VEB Landmaschinenbau „Rotes Banner“ Döbeln. Nach dem ersten Lehrjahr hatte sie keine Lust mehr auf den Schlosserberuf, durfte aber nicht von einem Volkseigenen Betrieb zu einem privaten Friseurgeschäft wechseln. So schloss sie denn doch die Ausbildung mit dem Facharbeiterbrief als Werkzeugmacher ab, hatte sich mit dem technischen Beruf inzwischen angefreundet. Als der Bruder 1958 eine Lehrstelle in der chemischen Industrie in Wolfen erhielt, wechselte sie zu seiner Unterstützung mit, zumal sie dort Verwandte hatten. In der Wolfener Farbenfabrik begann sie in der Werkstatt an der Bohrmaschine und als Mädchen für alles. Da 1962 Tochter Martina geboren wurde, legte sie eine dreijährige Babypause ein. Als Martina in den Kindergarten gehen konnte, kehrte Brigitte Marusczyk ins Werk zurück, welches später zum Chemiekombinat Bitterfeld (CKB) gehörte. Sie wurde dann als Sachbearbeiterin eingesetzt, entwickelte sich durch Weiterbildungen zur Normiererin im Bereich Plaste und zur Technologin im Apparatebau, nunmehr in Bitterfeld, protokollierte vor allem die Arbeitsvorgänge. Ihre Leistungen wurden mit der dreimaligen Verleihung der Aktivistennadel gewürdigt. Eine Schiffsreise auf der Wolga wurde zur ganz besonderen Auszeichnung. Bei der Umstrukturierung nach dem Ende der DDR konnte sie im nunmehrigen Chemiepark Wolfen-Bitterfeld weiter ihren anerkannten Aufgaben nachgehen, ehe sie 1998 in den Ruhestand wechselte. Da zog sie mit ihrem Mann zurück in die heimatliche Gegend, übernahm 1999 das Anwesen der Schwiegereltern in Goselitz. Ihr Mann Manfred (Heirat 1961) war ebenfalls Schlosser im VEB „Rotes Banner“, er folgte ihr nach der Heirat nach Wolfen. Seit seinem Tod kümmert sich Brigitte Marusczyk mit Unterstützung der Kinder allein um Haus, Hof und Garten. Ein Enkelkind erweiterte den Familienkreis. In den Tagen vor Weihnachten freut sie sich auf die Treffen mit ehemaligen Kollegen, fährt mit dem Zug für ein schönes Zusammensein wieder in die Stadt der Chemieindustrie. Durch die besten Kontakte zu den meisten Nachbarn ist ihr aber inzwischen Goselitz, in dem sie auch von Wolfen aus mit der Familie viel freie Tage verbracht hatte, unbedingt ans Herz gewachsen.