MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gerhard Matthes
Die Fahrt durchs Leben
Tiefer Grund 18
06842 Dessau-Roßlau
Fon: 0340 / 2160663
Als Sohn eines Schmiedes und einer Brauerei-Arbeiterin 1933 geboren und 1939 eingeschult, verbrachte der junge Gerhard das erste Schulhalbjahr in der Obhut seiner Großeltern, denn die Eltern bauten ein Haus und der Schulwechsel musste erst geklärt werden. Als einziger Enkel wurde er einerseits verwöhnt, andererseits auch mit kleinen Aufgaben zur Übernahme von Verantwortung erzogen. Gerne erinnert er sich auch daran, mit einem Freund die gemeinsame und große Leidenschaft für Pferde ausgelebt zu haben. Schon mit 10 Jahren besuchten sie die Pferdeschule in der Nähe und nach dem Krieg nutzten sie den Unterrichtsausfall um ganze Tage in der umquartierten Reitschule in Mildensee mit den Tieren verbringen zu können. Die schöne Kindheit wurde trotzdem getrübt, denn der Krieg, die Bombardierungen Dessaus, das Erleben von Angst und Leid, die karge Nachkriegszeit hinterließen Eindrücke und brachten Herausforderungen mit sich. So war es nach Abschluss der 8. Klasse nicht einfach eine Lehrstelle zu finden. Gerhard Matthes lernte drei Jahre bei einem privaten Kfz-Meister den Beruf Autoschlosser, hegte jedoch bereits den Wunsch einmal als Kraftfahrer zu arbeiten. Diesen in die Tat umsetzend fuhr er später eine Zugmaschine mit Hänger und war stolz auf sein Können. Den Werbern für die Kasernierte Volkspolizei entging er mit dem Hinweis auf Verwandtschaft in Westdeutschland, konnte sich damit weiter seiner beruflichen Laufbahn widmen. Für eine Firma in Roßlau, das Institut für Motorenbau und ab den 60-er Jahren für die Abus Dessau im Transportwesen tätig, fuhr er einen neuen W 50 – regelmäßig auch für die Kampfgruppe, wodurch er weiterhin vom Wehrdienst verschont blieb. 35 Jahre war der Kraftfahrer Gerhard Matthes aktiv, dann kam die Wende und die Arbeitslosigkeit. Doch er hatte Glück, erhielt bald ein neues Angebot und konnte weitere fünf Jahre arbeiten. Bis nach Spanien führten nun seine Touren. Der W 50 wurde von einem Mercedes, später einem Volvo abgelöst. Nach über 45 Arbeitsjahren beendete er sein Berufsleben, ging mit knapp 65 Jahren in den Ruhestand. Das mit der Wende ererbte Haus wurde nun Lebensmittelpunkt, Hilfe für die bereits kränkelnde Ehefrau zur Aufgabe. Zweimal verheiratet und Ehefrau Anita durch ihren Tod im Jahr 2008 verlierend, blieben ihm ihre Tochter Dorothea (Friseurin) und sein Sohn Rainer (Maurer) als Familie erhalten. „Mich bringt so schnell nichts aus der Ruhe...“ sagt der ausgeglichene Mann und schaut zufrieden auf seine Lebensleistung zurück. Heute sind die Autofahrten kürzer geworden. Die Lieblingsbeschäftigung ist der Garten und sein Hoffen ist, die Gesundheit lässt das noch lange zu.