MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Andrea Materne
„Spielen“ mit Lebensmitteln
Einzelhandelskauffrau
Filialleiterin der Metzgerei „Robert Müller“
Bahnhofstr. 16
99084 Erfurt
Fon: 0361 / 55048546
Sie ist eine echte „Erfurter Puffbohne“. Die gelernte Einzelhandelskauffrau Andrea Materne hat es bis zur Filialleiterin in der Metzgerei „Robert Müller“ in ihrer Heimatstadt geschafft. Geboren 1970, lebt die Mutter von zwei Kindern (Stefan, zur Welt gekommen 1989; Celine, im Jahr 2008 geboren) mit ihrem Partner Uwe (Elektriker) zusammen in Erfurt. Andrea Materne, die sogar schon eine neunjährige Enkeltochter hat, war bestrebt, im Alter von 30 Jahren beruflich auf eigenen Füßen zu stehen. Das hat die ehrgeizige Frau aus dem Handel fast geschafft. Blickt sie heute zurück, sieht sie sich am Ziel ihrer beruflichen Wünsche. Dabei hatte die Thüringerin nie Lebensmittel - und schon gar nicht Fleisch- und Wurstwaren im Kopf. Sie wollte mit Menschen zu tun haben, wollte im Handel arbeiten, aber nur nicht im Büro sitzen, schildert sie ihre Vorstellungen. 1977 eingeschult, hatte die Mutter für sie entschieden, nach der 8. Klasse eine Lehre bei der Bahn zu machen. 1985-1988 ließ sie sich wider Willen zum Eisenbahntransport-Facharbeiter ausbilden. Sie wurde schwanger, brachte im April 1989 einen Sohn zur Welt. Ihre Arbeitgeber setzten sie unter Druck, einem Aufhebungsvertrag zuzustimmen und sich das Babyjahr bezahlen zu lassen. Sie sah keine andere Wahl, meldete sich nach dem Babyjahr beim Arbeitsamt und erhielt eine Tätigkeit bei Erfurter Gemüse auf dem Feld. Nach einem halben Jahr hatte man für sie keine Verwendung mehr. „Für mich brach mit der Wende eine heile Welt zusammen“, schildert Andrea Materne. Als ihr das Arbeitsamt einen Job als Reinigungskraft anbot, schien das Maß voll bei der jungen Frau. Sie wolle nicht als „Putze“ enden, sondern sich und ihrem Kind was bieten, habe sie damals selbstbewusst erklärt. Sie setzte sich zwei Jahre auf die Schulbank, legte eine Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) ab. Es folgten Höhen und Tiefen, doch ihre Mutter stand immer hinter ihr und betreute Sohn Stefan, wenn Andrea Materne langen Dienst hatte. Seit 1993 arbeitet sie in „ihrer“ Metzgerei, hat dort viel gelernt und übernahm 2003 diese, zu einem hessischen Unternehmen aus dem Raum Fulda gehörenden Filiale. Nach knapp zehn Jahren wurde der Laden aus betrieblichen Gründen geschlossen. 2014 hat Andrea das Geschäft, in dem sie heute noch Filialleiterin ist, übernommen. Sechs Mitarbeiter teilen sich hier die Arbeit, sie als Chefin ist die jüngste. Frische Leberwurst nach einem alten Thüringer Rezept gehört zu den Spezialitäten der Fleischerei. Was sie heute ist, hat Andrea Materne aus eigener Kraft, Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit erreicht. Sie ist stolz auf ihren Beruf, den sie längst als Berufung sieht. „Man kann mit Lebensmitteln so viel machen, ja spielen, um Leckeres, Frisches und Gesundes für Pfanne und Grill phantasievoll zuzubereiten und auf den Tisch zu bringen“, sagt die Expertin für Fleisch- und Wurstwaren. Neben der Fleischerei betreibt sie noch ein Imbissangebot mit Schnitzel, Bratwurst, Haxen, Frikadellen und Brötchen, das gut angenommen wird. Sie lebt zurückgezogen, geht gern spazieren und wandern, entspannt sich außerdem beim Lesen. Andrea Materne liebt ihr Leben, so wie es ist. Die Unterstützung ihrer Mutter weiß sie nach wie vor sehr zu schätzen. Auf eine besondere Tradition will sie abends nicht verzichten: Eine halbe Stunde mit der kleinen Tochter kuscheln. Dann erzählen sich Mutter und Tochter Erlebnisse vom Tag. Manchmal wünscht sich die Erfurterin insgesamt, geduldiger zu sein. Als Vorbild hat sie eine Verkäuferin aus früheren Zeiten vor Augen, deren Namen sie nicht kennt. „Sie war immer nett und freundlich zu den Kunden, das hat mir gefallen. Ich dachte, so willst Du auch mal werden, solltest Du im Handel Fuß fassen“, erinnert sich Andrea Materne.