MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Siegfried Matthei

Mit Ruhe und Gelassenheit aufrecht durch das Leben

Siegfried Matthei

Hobuschgasse 3
06844 Dessau-Roßlau
Fon: 0340 / 2204262

Der Beruf des Großvaters Dorfschmied – beeindruckte den 1937 geborenen Siegfried Matthei und führte zu dem Berufswunsch Maschinenschlosser. Zuerst musste jedoch die Schulbank gedrückt werden, wobei er noch die zweiklassige Schule kennen lernte, mit Unterricht für Klasse 1–4 und Klasse 5–8. In der Waggonfabrik Dessau erlernte er den gewünschten Beruf. Kurze Zeit blieb er im Betrieb, arbeitet dann in einem anderen auf Montage und entschied sich schließlich in den Westen zu gehen. Im Ruhrgebiet arbeitete er im Bergbau als Handlanger. Doch nur als „Schinderotto“ tätig zu sein, dafür war er sich zu schade, kehrte in die Heimat zurück. In der Brauerei wurde er als Schlosser eingestellt. Der erlaubte Haustrunk führte zum Genuss und um dem nicht zu erliegen, wechselte Siegfried Matthei in den Zementanlagenbau Dessau, wieder in eine Montagetätigkeit. Ein Streik wegen Lohn und sein Engagement dabei führten dazu, dass er selbst Vorarbeiter wurde, mit der Prämisse „es besser zu machen“. Ein schwerer Unfall mit Wirbelsäulenverletzung setzte einen Schlussstrich unter die Tätigkeit. Lange Zeit im Krankenhaus, pflegte ihn seine damalige Verlobte, der er versprach: „Wenn ich wieder gesund werde, bleibe ich zu Hause und wir heiraten.“ So geschah es dann auch. 1963 wurde Regina seine Frau und mittlerweile haben beide bereits die Goldene Hochzeit gefeiert. Im VEB Junkalor Dessau nahm er nach der Genesung Arbeit als Blechschlosser an. Nun wiederholte sich, was bereits früher geschah: Mit Dingen unzufrieden, Mängel ansprechend, mündeten diese Auseinandersetzungen in dem Hinweis: „Mach du es, wenn du es besser kannst.“ Anders als Menschen, die nörgeln, aber nicht ändern wollen, packte Siegfried Matthei die Aufgaben an, engagierte sich. Letztendlich geschahen dabei zwei Dinge: Er wurde BGL-Vorsitzender und bekam mehr Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit. So entschloss er sich die 10.Klasse nachzuholen, eine Ingenieur-Vorbereitung zu absolvieren und schließlich in fünfjährigem Abendstudium seinen Ingenieur-Abschluss zu erlangen. Fünf Jahre arbeitete er als ABI-Vorsitzender (Arbeit- und Bauern-Inspektion), deckte Missstände, Zweckentfremdung materieller Mittel und Machtmissbrauch auf. Das richtige Metier für den kritischen und gradlinigen Mann. Betriebliche Strukturänderungen führten zum Wegfall dieser Planstelle. Siegfried Matthei wechselte in die Arbeitsökonomie, wurde später für acht Jahre Ökonomischer Direktor, dann Geschäftsführer und erlebte als solcher die Wende. In dieser Funktion durfte er im Zuge von Verkauf und Privatisierung des Betriebes den Übernehmenden einen größeren Geldbetrag innerhalb von 14 Tagen für unterlassene Instandsetzungen zahlen. Der Kaufvertrag sah allerdings auch einen Kaufpreis vor, der wesentlich niedriger war, zahlbar innerhalb eine halben Jahres. So wurden Geschäfte gemacht im Rahmen „Aufbau Ost“ oder „Saukapitalismus“, wie Siegfried Matthei es nennt. In weiteren Tätigkeiten erhielt er tieferen Einblick in wirtschaftliche und politische Aktivitäten, die ebenso abliefen und war froh, als er dem entfliehen und in den Ruhestand gehen konnte. Endlich ruhig schlafen können, keine Verantwortung mehr, gemeinsame Zeit mit der Frau und Arbeit im Garten haben ihm den Abschied vom Arbeitsleben leicht gemacht.
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