MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Rudolf Marticke
Im Zweitberuf glücklich geworden
Bäckerei
Badergasse 32
04680 Colditz
Fon: 034381/ 43563
Von Kindheit auf zur Arbeit erzogen, in landwirtschaftlichen Strukturen groß geworden, schien die Lebensplanung von Rudolf Marticke vorbestimmt, zumal seit dem achten Lebensjahr seine Liebe auch dem Reitsport galt, von Jugend auf bis heute seine ausgleichende Leidenschaft. 1957 war er in Leipzig zur Welt gekommen, wuchs im kleinen Schönau bei Frohburg auf, besuchte erst die örtliche Schule, wechselte dann auf die Polytechnische Oberschule im nahen Prießnitz. Nach dem Abschluss der 10. Klasse 1973 entschied er sich für die Tierzucht und eine dreijährige Lehre (verbunden mit dem Absolvieren der Abiturstufe) zum Zootechniker auf dem Volkseigenen Gut (VEG) in Köllitsch bei Torgau. Ein erstklassiger Abschluss sollte ihm das Studium der Veterinärmedizin ermöglichen, doch er war nicht in der richtigen Partei. Nach seinem anderthalbjährigen Grundwehrdienst war er für einen Studienplatz in der Fachrichtung subtropische Landwirtschaft vorgesehen. Doch zwischen Armeedienst und Studienbeginn lagen ein paar wenige Monate, die sein Leben verändern sollten. In der Bäckerei des Schwiegervaters arbeitete er in Nacht und Morgenstunden, baute tagsüber am Heim für die Familie. Aber er entdeckte seine Liebe zum Bäckerhandwerk, qualifizierte sich zum Facharbeiter und konnte gleich die Meisterausbildung (1981/84) anschließen. Inzwischen ist er seit 30 Jahren mit dem Meisterbrief ausgestattet. Eine eigene Bäckerei wollte er damals übernehmen, in Colditz an der Mulde ergab sich eine günstige Möglichkeit. Zur Eröffnung am 1. Februar 1986 stand schon seine heutige Frau Petra an der Seite von Rudolf Marticke. 1989 gehörte er zu denen, für die die Leipziger Montagsdemonstrationen endlich die Chance boten, lange gewachsenes Unbehagen zu artikulieren. Der selbständige Handwerksmeister brauchte 1990 Marktwirtschaft nicht neu zu lernen, konnte nun Produktion und Personalbestand ausweiten, doch im Widerstreit zwischen Handwerk und Industrialisierung des Gewerbes fiel die Entscheidung, das Unternehmen wieder sukzessive auf ein familiäres Niveau zurückzufahren, zumal die Fluten der Mulde (2002 und 2013) Einsicht beförderten. Handwerkliche Qualität und Frische der Produkte sollten sein Sortiment bestimmen, das um Imbiss, Partyservice, Fleisch- und Wurstwaren ergänzt wurde.
Der Vater von vier Kindern ist im Reitsport noch immer aktiv, feiert auch hier noch gern Turniererfolge.