MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Joachim Marquardt
Spuren eines arbeitsreichen Lebens
Neumärker Str. 10
04849 Bad Düben
Fon: 034243 / 50424
Auf Rosen war er nie gebettet, der am 25.08.1952 in Schmölln geborene Joachim Marquardt. Als Sohn eines Bergmanns und Stiefsohn eines Werkzeugmachers, erhielt er in Sachen Entscheidung für den beruflichen Werdegang keine Empfehlungen aus dem Elternhaus. Weder traute man ihm Entwicklung zu, noch unterstützte man ihn auf seinem Weg in das eigenständige Leben. So absolvierte er die 10. Klasse der Polytechnischen Oberschule, kümmerte sich selbst und absolvierte eine Lehre (Spezialklasse mit Berufsausbildung in der Fachrichtung Metall) im VEB Präzisionswerkzeugfabrik Schmölln, die er 1970 erfolgreich abschloss. Bis zu seiner Einberufung und Verpflichtung für einen dreijährigen Dienst, blieb er als Jungfacharbeiter im Betrieb. Nachdem er sich dann aber bereit erklärt hatte länger zu dienen, war von dieser Weiterbildung keine Rede mehr. Joachim Marquardt fühlte sich betrogen, reagierte mit entsprechendem Verhalten und erlebte Einsätze in verschiedenen Dienstbereichen und mehrfache Versetzungen. Er lebte sich ein, verlängerte seine Dienstverpflichtung noch einmal und beendete die aktive Laufbahn 1985, nach 15 Jahren. Der Wechsel in den zivilen Bereich gestaltete sich schwieriger als gedacht.
So entschloss er sich, künftig in der Braunkohle sein Geld zu verdienen, arbeitet fortan als Bergeisenbahner bis zum Jahr 2000. Nach 15 Jahre endete dann auch hier die Beschäftigung. Der Bergbau war mit der politischen Wende in der DDR vom langsamen Sterben betroffen und einer Bergbaurente kann sich Joachim Marquardt auch nicht erfreuen, die Betriebszugehörigkeit wurde ihm nach der Wende aberkannt. Ein dreiviertel Jahr arbeitete er noch anderweitig (Aufbau Fahrzeugmuseum Baggerstadt Ferropolis), wechselte dann zur Anhaltinischen Bahngesellschaft, belegte 2001 einen Lehrgang zum Erwerb der Bahnberechtigung, erlangte weiter die Berechtigung zum Befahren der Infrastruktur des Bundes und kam letztendlich in der Lüneburger Heide zum Einsatz. Bis 2011 blieb er so aktiv, wurde danach auf Grund gesundheitlicher Sachverhalte gekündigt. Mit Abzügen ging er in die vorzeitige Rente, nachdem seine Schwerbeschädigung anerkannt worden war.
Den arbeits- und trennungsreichen Jahren zuvor fiel seine Ehe zum Opfer. Seit 1971 verheiratet, lebt er heute von seiner Frau getrennt, pflegt jedoch weiterhin gute Verbindungen zu ihr, seinen sieben Kindern und vier Enkelkindern. Joachim Marquardt ist stolz auf seine Kinder, schätzt Ehrlichkeit und das Leben in der Region. Die Modelleisenbahn hat die großen Züge abgelöst und wenn er sich mal über einen kleinen Lottogewinn freuen dürfte, wird das sicher wieder der Umstieg auf die große Bahn sein, jedoch als Reisender, nicht als Fahrer!