MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Martin Marr
in Genießer mit erhobenem Haupt
Gartenbauingenieur
Dipl.-Jurist
99096 Erfurt
Während der nationalsozialistischen Zeit siedelten seine Eltern aus dem Thüringer Wald nach Essen um. Dort wurde Martin Marr am 14.10.1941 geboren. Als die Beziehungen zur Verwandtschaft nicht so harmonisch verliefen, kehrte die Familie 1945 nach Thüringen zurück, lebte bis 1948 in Gräfenroda und zog nach Hildburghausen.
Sein Vater wurde beruflich von Stadt zu Stadt versetzt. Die Schule beendete der Sohn letztendlich in Erfurt und nahm seine Wunschlehre zum Gärtner auf. Alsbald wollte er mehr und besuchte nebenher die Abendoberschule. Doch schwere körperliche Arbeit forderte ihren Tribut. Oft schlief er an der Schulbank ein. Die Oberschule gab er wieder auf, beendete allerdings seine Lehre.
Während der Lehrzeit begann er mit Segelfliegen, arbeitete noch kurze Zeit im Ausbildungsbetrieb, baute 1961 die 1. Internationale Gartenbauausstellung mit auf, bekam allerdings schon ein Jahr zuvor die Chance, sich im Motorflug ausbilden zu lassen. Auf diese Weise gelangte er zu den Luftstreitkräften der DDR, konnte dort sein Abitur ablegen und wurde zum Jagdflieger ausgebildet. Plötzlich spielte die Gesundheit nicht mehr mit und Martin Marr musste seinen Traum vom Fliegen begraben. Indessen wollte ihn die Armee nicht gehen lassen – maximal über ein Studium. Damals konnte er in ein laufendes Studienjahr einsteigen und erhielt seinen Abschluss als Gartenbauingenieur.
Gelenkt nach Friemar, unterstützte er eine gut wirtschaftende landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft. Zwischenzeitlich mit einer Balletttänzerin verheiratet, wollte diese keinesfalls aufs Dorf ziehen. Zurück in Erfurt, wurde Martin Marr Arbeitsschutzinspektor beim Kreisvorstand des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes und wechselte drei Jahre später zum Bezirkskomitee der Arbeiter- und Bauerninspektion. Nunmehr baute er sich die eigene Inspektion auf, übernahm den Vorsitz und lenkte 14 Jahre lang 650 ehrenamtliche Mitarbeiter.
Inzwischen hatte er ein Fernstudium zum Dipl.-Juristen beendet, wurde ans Bau- und Montagekombinat hin gelobt und fungierte als Justitiar. Innerbetrieblich nochmals auf die Stelle des Kaderleiters gelobt, löste sich der Betrieb wendebedingt auf. Martin Marr konnte nur noch das Licht auszuknipsen.
Arbeitslosigkeit verursachte Ängste. Diesen unerträglichen Zustand beendete nach acht Wochen ein Tipp von Bekannten. Martin Marr begann beim Autobahnamt Thüringen, regelte bis zur Rente 2006 Grundstücksangelegenheiten, war somit maßgeblich am Ausbau der Autobahnnetze beteiligt und konnte erhobenen Hauptes seine 50-jährige Berufszeit ausklingen lassen..
Kinder, Enkel und ehrenamtliches Engagement in der Goethegesellschaft bilden das Pendant zu seinen Leidenschaften Literatur, Kultur, Musik und Geschichte. Martin Marr gilt als kultureller Genießer.