MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Waltraud Mantey
Andere Menschen zum Kämpfen bewegen
Diplom-Politologin
Leiterin einer Selbsthilfegruppe Friedenstraße 3 10249 Berlin-Friedrichshain Fon: 030 / 2414662
„Ich helfe den Menschen unter allen Umständen“, sagt eine Frau, die in ihrem Leben selbst von schweren Schicksalsschlägen getroffen wurde. Nach einem erfolgreichen und erfüllten Berufsleben als Verkäuferin, Abteilungsleiterin und einst jüngste und kleinste Kaufhausleiterin in der DDR musste sich Waltraud Mantey 2001, 2003 und 2006 wegen eines Mund- und Zungenkrebses schwierigen Operationen unterziehen. „Ich fiel damals zunächst in ein tiefes Loch“, erzählt sie über diese für sie völlig neue Erfahrung. Doch sie gab nicht auf und beschloss, diese Herausforderung mit anderen Menschen gemeinsam zu teilen und vor allem zu bewältigen.
Stets an ein aktives Leben gewöhnt, ging Waltraud Mantey sofort ans Werk. Sie suchte zunächst einen Raum, doch hier kam niemand. Die ersten Kontakte knüpfte sie dann über das Telefon. „Die Menschen freuten sich, dass sie endlich mal jemandem ihr Herz ausschütten konnten, so dass die Gespräche manchmal bis zu zwei Stunden dauerten“, erinnert sich Waltraud Mantey. Das Telefon wurde ihr bald zu unpersönlich fürGespräche und der Platz war zu klein. Bald wurde das „Haus der Selbsthilfe“ in der Oranienburger Straße auf sie aufmerksam und sie knüpfte gute Kontakte zu dessen Leiterin, Angela Bleckmann. Sie vermittelte, dass sie den Präsidenten des „Bundesverbandes der Kehlkopfoperierten“, Werner Kubitza kennen konnte. „Schon beim ersten Treffen waren wir uns sehr sympathisch“, erinnert sich Waltraud Mantey. In der folgenden Zeit baute sie mit seiner Hilfe die bisher einzige Selbsthilfegruppe für Menschen mit Krebserkrankungen im Mund- und Halsbereich in Deutschland auf, unterstützten sie und entwickelten sie weiter. Im Jahr 2010 wurde diese Selbsthilfgruppe in den Bundesverband der Kahlkopfoperierten aufgenommen.
Waltraud Mantey hat ihr Leben umgestellt, um anderen Menschen zu helfen und knüpfte auf diese Weise viele Freundschaften, die ihr inzwischen sehr wichtig geworden sind. Gleichzeitig ist sie sehr stolz darauf, dass sie inzwischen viele Betroffene, die sich schon aufgegeben hatten, zum Kämpfen bewegen konnte. Vor allem gewann sie nicht nur ihren Hausarzt, sondern auch andere Mediziner, wie den Chefarzt der Hals-Nasen-Ohrenabteilung des Krankenhauses Friedrichshain für die Mitarbeit. Und selbstverständlich stehen die ganze Familie, der Mann und die Kinder fest an ihrer Seite. Diese sind jederzeit bereit, sie bei ihrem Engagement um mehr Hoffnung und Lebensmut in scheinbar hoffnungslosen Situationen zu unterstützen.