MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Inge Ruth Marcus

Die Menschen ernst nehmen und Vertrauen aufbauen

Inge Ruth Marcus
Bildungsreferentin

Wissmannstraße 29  
12049 Berlin
Fon: 030 / 8548791
E-Mail: inge.r.marcus(at)t-online.de
Internet: www.transfair.de

Das Leben von Inge Ruth Marcus wirft ein Schlaglicht auf die Wirrnisse und Verwerfungen des 20. Jahrhunderts, die teilweise bis heute nachwirken. Die Mutter flieht vor Stalin aus Sibirien, der Vater vor Hitler aus Deutschland, nach China. Aber unter Mao Zedong hatten auch Antifaschisten keine Chance. Beide kamen um. Die Tochter selbst wächst in Harbin auf und kommt mit dem Flüchtlingstransport des Deutschen Roten Kreuzes, mit den Brüdern und der sibirischen Großmutter, 1951 in die Bundesrepublik. „Wir haben nur dank meiner Großmutter überlebt“, erinnert sie sich heute. Ihre deutsche Verwandtschaft erlebt Inge Ruth Marcus als sehr konservativ und unfreundlich, während sie mit den Aufenthal-ten in Waisenhäusern, in die die Kinder kamen, überwiegend positive Erinnerungen verbindet. Im Alter von zehn Jahren ist sie die Mutter ihres kleinen Bruders und lernt so früh, sich für andere Menschen zu engagieren. Inge Ruth Marcus absolviert ein Pädagogikstudium in Ham-burg, spezialisiert sich auf globale und vergleichende Pädago-gik und studiert Sozialpädagogik, Slavistik, Psychologie und Philosophie. In dieser Zeit lernt sie den Philosophen Carl-Friedrich von Weizsäcker kennen und schätzen, der es versteht, komplizierte Zusammenhänge mit einfachen Worten darzustellen. In der Mitte der sechziger Jahre arbeitet sie als Sozialpädagogin im Jugendstrafvollzug und als Streatworkerin mit Rockern. Sie beginnt Materialien zum globalen und interkulturellen Lernen für die unterschiedlichsten Zielgruppen zu erstellen. Seit Jahrzehnten ist Inge Ruth Marcus so schon für Nichtregie-rungsorganisationen und Universitäten in aller Welt tätig. Einen großen Raum nimmt dabei die Identitätsarbeit ein, der sie eine große Rolle bei der Persönlichkeitsbildung und gesell-schaftlichen Integration beimisst. Dabei steht auch bei schwie-rigen Zielgruppen wie muslimische, männliche Jugendliche mit türkisch und arabischem Hintergrund, Respekt und gegenseiti-ges Verständnis im Vordergrund. „Viele Pädagogen sind heutzutage immer noch nicht ausrei-chend auf den Unterricht in einer multikulturellen Gesellschaft vorbereitet“, fasst sie ihre bisherigen Erfahrungen zusammen. Zwischen 1978 und 1991 ist Inge Ruth Marcus im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit mit Menschenrechtsorganisatio-nen in Mexiko tätig und engagiert sich in den neunziger Jahren für den Aufbau von entwicklungspolitischen Nichtregierungs-organisationen (NRO) in den neuen Bundesländern. In dieser Arbeit muss zunächst viel Misstrauen bei den dortigen Pädago-gen und Polizeibeamten überwunden werden. Nach wie vor ist sie in vielen Veranstaltungen zu Themen der Globalisierung mit unterschiedlichen Zielgruppen aktiv. Vor allem ist sie an Schulen eingebunden, wo sie mit Lehrern und Schülern Projekte des globalen Lernens durchführt. Ihre Publikationen zur globalen Thematik werden ins französi-sche, spanische und englische übersetzt.
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