MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Lore Marek
Das Glück, Freude zu empfinden
Buchhalterin und Archivarin
06712 Zeitz
Sie stand in dem Ruf, immer korrekt und sehr genau zu sein. Großes Lob für eine Buchhalterin.
1949 beginnt für die 21-jährige Lore Marek im Werksgut des Hydrierwerkes Zeitz der Ernst des Berufslebens. Eingesetzt wird sie in der Buchhaltung, obwohl ihr die Ausbildung fehlt. Die holt sie in einem zweijährigen Abendstudium nach.
Lore Marek bearbeitet Stechkarten und bereitet die Lohnabrechnungen vor. Alles muss sie per Hand rechnen. Maschinen gibt es noch nicht.
Zum Werksgut gehört auch eine Gärtnerei. Und wenn Not am Mann ist, bindet Lore Marek auch Blumensträuße. Der jungen Frau macht das besonderen Spaß, weil sie hier für kurze Zeit ihrem Traumberuf begegnet. Denn Gärtnerin habe sie werden wollen, erzählt sie. Doch sie sei zu dünn und zu lange krank gewesen. Und die Kraft für diesen Beruf habe ihr gefehlt.
1953 holt sie der Chef ihres Mannes in das Kreiskontor für landwirtschaftlichen Bedarf. Lore Marek obliegt die gesamte Lohnabrechnung. Nun nutzt sie bereits Additionsmaschinen.
Drei Jahre später muss sie diese Tätigkeit aufgeben. Grund war eine damalige Order, wonach Ehepaare nicht zusammen in einem Betrieb beschäftigt sein durften.
Die Sparkasse sucht Mitarbeiter und stellt Lore Marek als Buchhalterin ein. Maßgeblich beteiligt sie sich an der Einführung von Girokonten, die die Buchungsmaschinen ablösen.
Anfang der 60er Jahre beginnt Lore Marek als Lohnbuchhalterin im VEB Meliorationsbau. Wegen ihrer guten Leistungen kann sie die Berufsbezeichnung „Ökonom“ führen. „Ich will die Arbeit sehen und nicht das Papierchen“ habe ihr Chef, der sehr viel von ihr gehalten habe, diese Entscheidung begründet, so Lore Marek.
Ende der siebziger Jahre wird sie ein zweites Mal „abgeworben“. Die ZEMAG Zeitz gewinnt Lore Marek für ihr Betriebsarchiv. Sie habe Chaos vorgefunden, erinnert sie sich. Räume voller unsortierter Papierstapel, die sogar die Tür versperrten. Mit der ihr eigenen Gründlichkeit sichtet Lore Marek die Materialien, entsorgt Berge von Altpapier und schafft die Voraussetzungen für systematisches Archivieren. Zehn Jahre arbeitet sie in diesem Archiv, und es gefällt ihr. Dann geht sie in den Ruhestand.
1986 stirbt Lore Mareks Mann. Zwei Jahre vor dem 60. Geburtstag. Mit ihm sei sie oft nach Ungarn gefahren, sagt sie. Nun reise sie mit der Volkssolidarität jedes Jahr in ein anderes Land.
Noch immer Freude empfinden zu können, das mache sie glücklich, meint Lore Marek. Und sie möchte gesund bleiben und sich noch „lange allein behelfen“.